Interview mit Michelle RavenWir danken der Autorin ganz herzlich für dieses Interview!
Wer noch mehr Fragen zu, mit und rund um Michelle Raven hat, der kann auch ihre Homepage besuchen.
http://www.michelleraven.de/http://www.ghostwalker.michelleraven.de/
Möchten Sie sich einmal kurz vorstellen? Was für einen Menschen sollte man vor Augen haben, wenn man den Namen „Michelle Raven“ (http://www.michelleraven.de/) hört? Da Michelle Raven ein Pseudonym ist, steht der Name ausschließlich für spannende und romantische Geschichten, die zum größten Teil im Westen der USA spielen. Es wird oft gefragt, warum ich nicht etwas über Deutschland schreibe. Die Antwort ist ganz einfach: ich liebe die Landschaften im Westen der USA und besonders in meinen ersten vier Büchern (und auch bei ‚Die Spur der Katze’) ist diese Weite und (Menschen-)Leere der Landschaft für die Geschichte sehr wichtig.
Es ist auch ein Ausgleich zu meiner Arbeit als Leiterin einer Bibliothek, dass ich mich in meiner Freizeit zumindest im Kopf nach draußen flüchte. Ich schreibe Romantic Suspense, weil ich damit meine liebsten Genres, nämlich Thriller und Liebesroman miteinander verbinden kann. So wird das Schreiben nie langweilig und ich kann richtig in die Geschichten eintauchen.
Könnten Sie uns "Die Spur der Katze" vielleicht in ein paar kurzen Sätzen schildern? ‚Die Spur der Katze’ spielt in der heutigen Zeit und ist im Gegensatz zu vielen anderen paranormalen Romanen in der Realität angesiedelt. Deshalb ist die Journalistin Marisa Pérèz nicht darauf vorbereitet, auf ihrer Veranda einen verletzten und vor allem völlig nackten Mann zu finden, der sich noch dazu reichlich merkwürdig benimmt. Trotzdem hilft sie ihm und selbst als die Polizei am nächsten Tag bei ihr vor der Tür steht und berichtet, dass einer ihrer Nachbarn getötet wurde, schützt sie den Fremden, der sich Coyle nennt. Schon kurz darauf stehen die Mörder auch vor ihrer Tür und sie flieht mit Coyle in die Wildnis. Was sie dort erlebt ist weit jenseits ihrer bisherigen Vorstellungen, doch sie kann das, was sie mit ihren eigenen Augen sieht, nicht leugnen.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihre angestammten Pfade - Romantic Suspense und Thriller - zu verlassen und etwas Neues zu versuchen? Warum gerade Paranormals? Normalerweise lese ich gerne ‚normale’ Romantic Suspense, die allerdings in der derzeitigen Welle von Paranormalen Romanen leider immer weniger werden. Trotzdem lese ich nur sehr wenige Paranormals, derzeit eigentlich nur zwei Serien: J.R. Wards ‚Black Dagger Brotherhood’ und von Nalini Singh die ‚Psy/Changeling’. Gut, einige Futuristics von Susan Grant lese ich auch sehr gerne. Während ich bei den Black Daggers auch Kritikpunkte habe, bin ich von Nalini Singhs Serie absolut begeistert. Vermutlich, weil ich Katzen so sehr mag und ihre Changelings, also Gestaltwandler, unter anderem Raubkatzen sind. Und das war der Moment, als in mir die Idee aufkam, eine Gestaltwandler-Geschichte mit Berglöwen zu schreiben. Nur für mich und nur zum Spaß, weil ich eigentlich gerade an einer anderen Geschichte saß. Ich hatte gar nicht erwartet, dass die Geschichte einen Verlag finden würde, umso glücklicher war ich, damit bei Lyx zu landen.
Ich plane aber auch, meine normalen Romantic Suspense-Romane weiterzuschreiben, denn das ist immer noch mein Spezialgebiet und mein Lieblingsgenre.
Wie und wann ist Ihnen die Idee zu der Geschichte um Marisa und Coyle gekommen? Wie lange haben Sie dann, inklusive Vorbereitung, an diesem Roman geschrieben? Es muss im Sommer 2007 gewesen sein, als ich über einer anderen Geschichte schwitzte und mir die Idee mit den Berglöwen-Wandlern kam. Die Berglöwen habe ich genommen, weil ich die Tiere interessant finde und sie im Westen der USA heimisch sind. Obwohl es ein Paranormal werden sollte, wollte ich die Geschichte so realistisch wie möglich gestalten. Da es ja nur zu meiner eigenen Unterhaltung sein sollte, schrieb ich einfach drauf los, obwohl ich nicht viel mehr als die Anfangsidee hatte, in der Marisa einen nackten Mann auf ihrer Veranda findet. Ehe ich mich versah, hatte ich vierzig Seiten geschrieben und entschied, dass ich damit aufhören musste, wenn ich mein eigentliches Manuskript noch termingerecht fertig stellen wollte. Ich habe also für etwa ein Jahr unterbrochen und erst im Sommer 2008 weitergeschrieben. Im September kam dann die Nachricht, dass Lyx es veröffentlichen würde und ich habe es Ende Februar 2009 abgegeben. Also hat es insgesamt etwa ein Dreivierteljahr Schreibzeit und Überarbeitung gebraucht.
Marisa Pérèz, die weibliche Hauptfigur des Romans, gleicht Ihnen im Äußeren sehr. War dies beabsichtigt? Wo sind andere Ähnlichkeiten zu finden? Sind Sie beispielsweise besonders Tierlieb oder verbringen Sie viel Zeit in der Natur? Marisa sieht mir gar nicht ähnlich, sie hat südamerikanische Vorfahren und ist daher sowohl von der Hautfarbe als auch Haaren und Augen sehr viel dunkler als ich. Die einzige Gemeinsamkeit sehe ich in der Körpergröße. Alle meine Figuren teilen sicher ein paar charakterliche Eigenschaften mit mir, das lässt sich gar nicht vermeiden. Ich mag Katzen sehr gerne (so wie Marisa, nachdem sie herausgefunden hat, was Coyle ist

), Hunde dagegen generell nicht ganz so. Das haben wir wiederum gemeinsam. Ich mag die Einsamkeit und Natur deutlich lieber als Städte, auch das gebe ich meinen Charakteren öfter mit. Wobei Marisa ja eigentlich in der Natur zuerst deutlich außerhalb ihres Elements ist.
Marisa hat von ihrem Onkel den Bloodhound Angus geerbt, einen ziemlich großen und faltigen Hund, den man sich auch näher ansehen kann. (http://www.ghostwalker.michelleraven.de/) Haben Sie selbst auch Haustiere? Welche und warum? Ich hatte früher eine Katze und hätte auch gerne wieder eine, doch momentan ist das leider nicht möglich. Ich finde es irgendwie beruhigend, eine Katze beim Schlafen zu beobachten oder sie zu streicheln bis sie anfängt zu schnurren. Außerdem fühlt sich eine Wohnung so immer ein wenig bewohnter an, finde ich.
Coyle, Marisas männlicher Gegenpart, ist attraktiv, sinnlich und geheimnisvoll zugleich. Gibt es für ihn vielleicht ein reales Vorbild? Nein, sämtliche meiner Charaktere beruhen rein auf meiner Fantasie.
Es ist ein Clan aus Berglöwen (Pumas), auf die Marisa stößt. Was hat Sie, als Schöpferin, an diesen Tieren so sehr fasziniert, dass Sie diese gewählt haben und nicht, wie viele andere vor Ihnen, Wölfe? Werwölfe sind mir einfach schon zu oft beschrieben, vor allem sind sie auch größtenteils in der Vorstellung der Menschen negativ besetzt. Ich wollte etwas frisches, das noch kein Autor geschrieben hat und Berglöwen fand ich schon immer sehr interessant. Sie leben so verborgen, dass sie selten gesehen werden und es schwierig ist, mehr über sie herauszufinden. Genau solche Gestaltwandler brauchte ich: scheue, zurückgezogen lebende Wesen, die die Nähe der Menschen meiden. Auch in den Mythen der Indianer kommen sie vor – daher habe ich auch den Serientitel ‚Ghostwalker’ übernommen.
Welche der Figuren aus "Ghostwalker 01" liegt Ihnen am meisten am Herzen? Mit welcher können Sie sich vorrangig identifizieren? Wie schwer fiel es Ihnen als Autorin einige Figuren leiden oder gar sterben zu lassen? Das ist schwierig zu beantworten. Ich glaube, diesmal ist Marisa die Hauptperson, ich mag ihre teilweise doch recht ironische oder sarkastische Art. Mit ihr konnte ich mich auch am ehesten identifizieren. Coyle war natürlich ein Traum und auch Isabel und Bowen habe ich sehr ins Herz geschlossen. Ach, eigentlich mochte ich alle Protagonisten.
Ich lasse meine Figuren ganz gerne leiden – wenn ich weiß, dass sie hinterher gerettet werden. Es tut mir natürlich auch weh, aber es gehört einfach zum Schreiben dazu. Bei den Antagonisten habe ich allerdings keinerlei Probleme, sie leiden oder sterben zu lassen.
Wie sah die Recherche aus, die Sie für den Roman betrieben haben? Sind Sie vielleicht selbst an die Schauplätze gereist? Was verändert sich, wenn man über Bekanntes oder selbst Gesehenes/ Erlebtes schreibt?
Gab es dabei ein Detail, an das Sie sich besonders gern erinnern? Oder das Sie unbedingt mit in den Roman einbauen wollten? Ich habe den Roman in einer Gegend spielen lassen, die ich selber schon bereist habe, ich hatte also die Landschaft, Geräusche und Gerüche schon im Kopf, bevor ich die Geschichte dort angesiedelt habe. Dazu kamen dann Recherchen im Internet und in Büchern über bestimmte Aspekte der Gegend, aber natürlich auch zu den Berglöwen. Inzwischen kann man über Google Earth die Strecken noch einmal nachfahren und einzelne Details nachprüfen, was auch sehr hilfreich ist.
Das Cover des Romans ist äußerst gelungen. Wie viel Mitspracherecht hat Ihnen der Verlag dabei eingeräumt? Generell hat man als Autor kein großes Mitspracherecht bei einem Cover. Ich konnte Vorschläge einreichen, welche Art von Cover mir gefällt, allerdings sah das endgültige dann doch völlig anders aus. Mir wurde der Entwurf gezeigt und ich habe einige Anmerkungen gemacht, z.B. zum Berglöwen, der den Körper eines Schafs hatte oder zu den Augen des Helden, die quietschgrün waren, aber eigentlich bernsteinfarben sein sollten. Diese Dinge wurden dann noch geändert, wodurch das Cover meiner Meinung nach sehr schön geworden ist.
Im LoveLetter (http://www.loveletter-magazin.de/) schreiben Sie seit Anfang des Jahres eine kleine Artikelserie über die Entstehung des Romans.
Dort berichten Sie, dass bereits im September der Abgabetermin für Teil 2 der Ghostwalker-Serie ist. Wie viele Romane sind derzeit insgesamt geplant? Wird es in ihnen auch ein Wiedersehen mit bereits bekannten Romanfiguren geben? Es ist keine bestimmte Anzahl an Romanen geplant, aber ich habe zur Zeit schon Ideen für weitere drei Bände, die ich gerne noch schreiben würde. Und ich bin sicher, mir werden mit der Zeit noch mehr Geschichten einfallen. Dann kommt es nur noch darauf an, ob der Verlag weitere Bände möchte und das wird sich vermutlich nach dem Leserinteresse richten.
Die Ghostwalker-Serie baut auf den Charakteren auf, d.h. es werden bekannte Figuren immer wieder auftauchen, aber natürlich auch neue. Und es wird nicht bei den Berglöwen-Wandlern bleiben.
Dort ist ebenfalls nachzulesen, dass Sie Ihr Projekt zunächst Ihrem Agenten (einer Literaturagentur) vorgestellt haben, der sich damit an Verlage gewandt hat. Warum glauben Sie, ist es wichtig, einen Agenten zu haben? Was für Vorteile bringt das? Ein Agent ist schon mal eine erste unabhängige Instanz, der die Geschichte prüft und dem Autor sagt, ob sie veröffentlichungsfähig ist oder nicht. Und ein Agent hat natürlich viel bessere Kontakte zu den Lektoren, als der Autor selbst. Vor allem kann er auch besser verhandeln, weil es eben nicht sein Manuskript ist. Der größte Vorteil ist aber, dass ein Manuskript so nicht auf einem Stapel beim Verlag verrottet, sondern im besten Fall sofort angeschaut wird. Früher war in Deutschland ein Agent eher unüblich, heutzutage ist er jedoch Standard und jeder Autor sollte sich bemühen, von einem vertreten zu werden. (Natürlich von einem seriösen, der nur einen prozentualen Gewinn vom Honorar nimmt!)
Wenn der Roman jemals verfilmt werden würde, welche(n) Schauspieler/in würden Sie dann gern darin sehen und warum? Eigentlich möchte ich meine Romane nicht verfilmt sehen, gerade weil ich meine Charaktere gerne der Fantasie überlasse und nicht irgendeinen Schauspieler, der dann völlig anders aussieht und womöglich auch einen ganz anderen Charakter daraus macht, sehen möchte.
Wer hat Sie auf dem Weg zu Ihrem ersten paranormalen Roman am meisten unterstützt? Möchten Sie dieser Person vielleicht etwas mitteilen? Das waren ganz sicher meine Erstleserin Ina, mit der ich auch das erste Brainstorming zum Roman hatte und meine Kritikleserin Steffi, ohne deren zutreffende Anmerkungen der Roman nicht so gut geworden wäre. Danke, ihr seid die Besten!
Im realen Leben haben sie Bibliothekswesen studiert und waren einige Jahre in verschiedenen Bibliotheken tätig. Wie viel Zeit bleibt bei einem Fulltime-Job noch für das Schreiben übrig?
Ich bin immer noch als Bibliotheksleiterin ganztägig tätig. Für das Schreiben bleibt dann natürlich nur die Freizeit übrig, also abends etwa vier Stunden und am Wochenende den ganzen Tag. Ich habe das neulich ausgerechnet und festgestellt, dass ich eigentlich zwei Vollzeit-Jobs habe, denn ich schreibe nicht selten 40 Stunden in der Woche.
Wie viel schreiben Sie in etwa pro Tag? Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Planen Sie alles genau oder entwickeln sich Ihre Geschichte beim Schreibprozess selbst? Haben Sie am Anfang einer Geschichte eine konkrete Idee, wie das Ende aussehen wird? An einem Wochentag schreibe ich mindestens zwei Seiten und am Samstag und Sonntag jeweils fünf Seiten, sodass ich am Ende der Woche mindestens zwanzig Seiten geschrieben habe. Das hört sich wenig an, aber so kann ich in vier oder fünf Monaten neben der Arbeit einen Roman schreiben. Es gibt natürlich auch Autoren, die schneller schreiben.
Meist schreibe ich noch an einer Geschichte, während mir bereits Ideen zur nächsten kommen. Die sammele ich dann über Monate oder auch Jahre und beginne erst mit dem Schreiben, wenn ich das Gefühl habe, ungefähr zu wissen, wo die Geschichte hingehen soll. Das heißt, den Anfang und das Ende der Geschichte kenne ich schon und auch die wichtigsten Mittelteile. Alles andere kommt dann während des Schreibens.
Schaffen Sie sich beim Schreiben Ihrer Romane eine ganz besondere Atmosphäre, wenn ja welche? Nein, eigentlich nicht. Was ich brauche ist Ruhe und ein ordentlicher Arbeitsplatz.
Wer sind Ihre fünf Lieblingsautoren? Finden sich darunter vielleicht auch Vorbilder? Was lesen Sie zur Zeit? Ich lese u.a. gerne die Bücher von Linda Howard, Karen Robards, Nalini Singh, Lisa Gardner und Tess Gerritsen. Vorbilder würde ich nicht sagen, aber sicher haben mich die gelesenen Bücher auch geprägt.
Welches Buch möchten Sie nie und unter keinen Umständen geschenkt bekommen? Ich schätze mal, so etwas wie ‚Feuchtgebiete’.
Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus? Was dürfen die Leser als nächstes von Ihnen erwarten? Als nächstes werde ich den zweiten Band der ‚Ghostwalker’-Serie abschließen und danach würde ich dann gerne wieder einen normalen Romantic Suspense schreiben. Aber das hängt natürlich auch von Verträgen ab.
Können Sie vielleicht schon ein winziges Detail aus dem zweiten Teil der Ghostwalker verraten? Auf welches der möglichen Paare, die in "Die Spur der Katze" angedeutet werden, dürfen sich Ihre Leser freuen? Das kann ich noch nicht verraten. Nur soviel: es ist keines der angedeuteten Paare, aber die Heldin ist bereits in Band 1 aufgetaucht.
Was glauben Sie, welchen Stellenwert hat das Buch heutzutage noch? Das kommt immer darauf an, wen man fragt. Es gibt Leute, die hatten nie ein Buch in der Hand und andere, die können gar nicht ohne Buch sein. Ich halte Bücher immer noch für sehr wichtig, auch wenn es gerade im Fachbuch- und Wörterbuchbereich inzwischen durch das Internet eine sehr große Konkurrenz gibt. Momentan kann ich mir aber nicht vorstellen, was Romane in Buchform ablösen sollte, denn der normale Roman- und Vielleser wird es viel zu anstrengend finden, am Bildschirm zu lesen und außerdem wäre es viel zu umständlich für unterwegs.
Gibt es sonst noch etwas, was Sie dem Leser mitteilen möchten? Ich wünsche allen Lesern viel Spaß mit der Ghostwalker-Serie und hoffe, dass sie Marisa und Coyle genauso in ihr Herz schließen werden wie ich.