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Das Spinnennetz

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BeitragVerfasst: Sa 28. Jul 2012, 18:02 
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Registriert:
So 22. Jul 2012, 17:55

Beiträge: 3
Sie war die Schönste ihrer Stadt. Göttin einer aufstrebenden Zeit. Männer verloren die Beherrschung, wenn sie ihr begegneten. Frauen gifteten. Sahen in ihr die Konkurrentin um die Gunst eines Mannes. Wünschten sie zum Teufel.

Die Öffentlichkeit hielt sie für eine Aufsteigerin. Geschäftsleute für ihre beste Einnahmequelle. Die Prachtstraßen waren um Exotisches bereichert, wenn sie flanierte oder sich in einem Straßencafé niederließ. Doch als rätselhafte Erscheinung werteten sie alle.

Viele, die sie kannten, lobten ihre Bescheidenheit. Frauen jedoch empfanden sie als Bedrohung. Firmenchefs als Gefahr für ihre Ehen. Damenausstatterinnen ihren Besuch als höchste Anerkennung der Modebranche, und bei Ärzten war sie Toppatientin.

Sie hieß Manuela. Und Holger wusste, dass diese schwer durchschaubare Erscheinung – langbeinig, sportlich, dreiundzwanzig Jahre alt – die Frau für ihn war, die es wieder einmal zu erobern galt. Und gleich notierte er Tag und Stunde in seinem Terminplaner für Frauenbegegnungen.

Holger, von Freunden bewundert, von Frauen heftig umworben, vom Leben in eine goldene Wiege gelegt, das Leben rücksichtslos nehmend, war in Manuela einer Frau begegnet, bei der Männer vor Begehrlichkeiten über eigenen Füße stolperten: Fledermäuse, immer auf der Suche nach sexueller Nahrung. Und die alles nahmen, was ihnen vor die aufgeheizten Sinne kam.

Holger war im Umgang mit Frauen der Größte. Ein Frauenversteher. Und deshalb leicht für ihn, diese zu führen und zu lenken. So nach seinem Willen zu beeinflussen, dass sie glaubten, all ihr Tun beruhe auf ihren eigenen Entscheidungen.

Alle bisherigen Damen hatten bisher mit Holger gefrühstückt. Alle zeigten sich anfangs spröde. Um dann doch ihre nächtlichen Träume an seiner Seite zu pflegen..


Meistens hatte Holger zu Hause nur ein Essen vorbereitet. Dieses Mal aber ein Restaurant der Luxusklasse gewählt. Er wollte die Befriedigung seiner Sinne hinauszögern. Nicht gleich ihren nackten Körper spüren und schon gar nicht sofort unbeherrscht in sie eindringen.

Als Fledermausmann studierte er seine Wahl zu erst einmal sorgfältig. Er war sich sicher, seine sexuelle Nahrung würde ihm schon nicht im Mondschein davonschwirren. Dazu war Holger ein zu perfekter Flugkünstler der Nacht.

"Sehr geschmackvoll", sagte Manuela, als sie nach dem Restaurantbesuch schließlich in Holgers Dachterrassenwohnung landete.

"Wir fahren zweigleisig", lautete Manuelas Kommentar. "Doch in die gleiche Richtung. Bei dir fehlt der Hinweis auf eine Frau, bei mir der Duft eines Mannes.

"So spricht jede", erwiderte Holger, "die hier schon einmal die Blumen gegossen hat.

"Hast du viele 'Pflegerinnen '", wollte Manuela unterkühlt und so nebenbei wissen.

"Ich kann alles gerade noch bewältigen", erwiderte Holger. Dabei versuchte er, seinen Worte einen neutralen Ton zu geben. "Die Pflanzen hier tragen alle männliche Blüten. Und deshalb 'Pflegerinnen '".

Das Schlafzimmer schloss Manuela von der Besichtigung der Wohnung aus. Wie alle, enthielte es sicher auch nur die Hauptsache. Vielleicht nur konservativ. Vielleicht war das Kernstück aber auch ein supergroßes Wasserbett.

Sie ging auf die Dachterrasse. Zu ihren Füßen, ein Panorama aus Atriumhäusern, Banktürmen, Autobahnzufahrten und –abfahrten. Auch viel Grün durch Bäume, Sträucher und Wiesen. Holger erklärte ..., trotzdem musterte er dabei ununterbrochen seine Gästin. Neugierig! Sehr aufmerksam!

Groß, schlank und sportlich ihre Erscheinung. Das Gesicht weich ziseliert, die dunklen Augen, wie gefasst in goldener Gestaltung. Der Mund erfahren und zum Küssen bereit.

Manuela war eine Fanin naiver Kunst. Verabscheute Gewalttätigkeiten. Mochte Fototapeten, herbes Rasierwasser und würzigen Pfeifentabak.

"Ist Singlesein nicht wie trockenes Brot?", wollte Holger wissen.
"Zuviel Fett schadet der Figur", antwortete Manuela schlagfertig.

Dann jedoch überschlugen sich ihre Gedanken.


Was mochte Holger machen? Er scheint vor Geld zu stinken. Ob er sich wohl in meinem Spinnennetz verfangen würde? Ob ich wohl leichtes Spiel mit ihm hätte? Sicher! Denn wenn sich Männer im Bett, davor oder danach, einer Frau hemmungslos offenbaren, dann muss eine solche Frau wohl nitribittsche Eigenschaften besitzen. Ich werde auch ihn fangen. Und alles aus ihm herausquetschen- Nitribitts Auferstehung. Dann mein bisheriges Freibeuterleben an den Nagel hängen und Holger täglich den Siebenten Himmel auf die Erde herabholen. Jawohl! Auf geht's. Sofort!


Holgers Pech war, dass er als Frauenversteher, Frauenflüsterer, nicht deren Gedanken lesen konnte. Und so eben den Siebenten Himmel auf Erden erleben musste.

Copyright by Carola Zeissig


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