Interview mit Peter Freund
Wir danken dem Autor ganz herzlich für dieses Interview!
Wer noch mehr Fragen zu, mit und rund um Peter Freund hat, der kann auch Seine Homepage besuchen.
http://www.laura-leander.de/index.phpMöchten Sie sich einmal kurz vorstellen? Was für einen Menschen sollte man vor Augen haben, wenn man den Namen „Peter Freund“ hört?Um mit dem Beruflichen anzufangen: Ich habe mehr als zwanzig Jahren in den verschiedensten Funktionen im Kino- und TV-Bereich gearbeitet - vom Kino-Manager bis hin zum Chef eines Filmverleih. Als TV-Producer war ich für zahlreiche Fernsehfilme- und –serien verantwortlich, häufig auch als Autor. Auch wenn ich diese Tätigkeit zugunsten des Bücherschreibens mittlerweile stark eingeschränkt habe, schreibe ich nach wie vor Drehbücher und bin gerade mit den Vorbereitungen für einen Kinofilm beschäftigt, den ich im Sommer 2008 produzieren möchte.
Was den „privaten“ Peter Freund betrifft: ich lebe und arbeite in Berlin, bin verheiratet und habe zwei inzwischen längst erwachsene Söhne. Da das Schreiben und meine sonstige Arbeit mich stark in Anspruch nehmen, bleibt für Hobbies natürlich nicht allzu viel Zeit. Dennoch laufe ich regelmäßig und spiele Tennis, lese soviel es geht und höre Musik. Und darüber hinaus koche ich auch noch leidenschaftlich gern.
Mit welchem Buch sind Sie bekannt geworden? Könnten Sie es vielleicht in ein paar kurzen Sätzen schildern? Das Buch, das mich bekannt gemacht hat, ist zweifelsohne „Laura und das Geheimnis von Aventerra“ – und natürlich auch alle vier Folgebände, die bislang erschienen sind. Ende November 2007 folgt dann der sechste Band „Laura und das Labyrinth des Lichts“.
Die Romanreihe ist nicht nur in Deutschland ein riesiger Erfolg, sondern ist inzwischen auch in siebzehn weiteren Ländern in allen Teilen der Welt erschienen. Sie erzählt die Geschichte eines ganz normalen jungen Mädchens, das an seinem dreizehnten Geburtstag erfährt, dass ihm eine ganz besondere Bestimmung zugedacht ist: Laura Leander muss nämlich eine entscheidende Rolle im ewigen Kampf des Guten gegen das Böse übernehmen und dabei gefährliche Abenteuer und Prüfungen überstehen, die sich sowohl auf der Erde, als auch deren geheimnisvollem Schwestergestirn Aventerra zutragen. Zur Erfüllung ihrer Aufgabe muss Laura die in ihr schlummernden Fähigkeiten entdecken und entwickeln. Zum Glück kann sie dabei auf ihre Freunde vertrauen und gewinnt zudem allerlei phantastische Verbündete, sobald es ihr gelingt, hinter die Oberfläche der Dinge zu blicken und damit das große Geheimnis zu entschlüsseln, das unsere Welt bewegt. Aber letztendlich kommt es auf Laura selbst an - und darauf, ob sie ihre Ängste, ihre Furcht und schließlich sich selbst überwinden kann. Nur dann kann sie die schwere Aufgabe meistern, von der das Schicksal aller Menschen abhängt - und auch das von Aventerra ...
Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Planen Sie alles genau oder entwickeln sich Ihre Geschichte beim Schreibprozess selbst? Bevor ich mit dem eigentlichen Schreiben beginne, erarbeite ich mir über diverse Zwischenformen stets ein detailliertes Exposé oder eine Outline, wie immer man das bezeichnen möchte. Darin sind nicht nur alle wichtigen Charaktere und ihre Entwicklung, sondern auch die entscheidenden Handlungsstränge und Wendepunkte und natürlich auch Anfang, Mitte und Ende der Geschichte festgehalten. Wer beim Schreiben nur seiner Muse folgt, gleicht für mich einem Reisenden, der sich ohne Karte auf eine Reise durch ein unbekanntes Land begibt. Die Gefahr, unterwegs die Orientierung zu verlieren und sich zu verirren, ist da riesengroß. Zudem mag er auf diese Weise zwar überall hinzugelangen, wahrscheinlich aber nicht an sein Ziel - falls er überhaupt eines hatte.
Womit beginnen Sie für gewöhnliche Ihre Geschichten:
- mit den Charakteren oder dem Plot?
- mit der Umgebung oder konkreten Ereignissen? Nach dem ersten Laura-Band standen die wichtigsten Charaktere für die Folgebände natürlich fest. Auch die wichtigsten Eckpunkte der Plots der verschiedenen Bücher hatte ich in meinem sehr ausführlichen Reihenkonzept bereits grob festgelegt. Bei der Ausarbeitung bin ich dann nach einem eher ungewöhnlichen „Konzept“ verfahren: ich habe mir zuerst den jeweiligen Buchtitel einfallen lassen und danach versucht, einen Geschichte zu entwickeln, die zum jeweiligen Titel passte – was bislang, recht gut funktioniert hat.
Schreiben Sie zuerst ein paar für den Roman eigentlich irrelevante, kürzere Texte, um sich ein Bild davon machen zu können, welche Umgebung und welche Figuren Sie für die Idee überhaupt brauchen? Wie schon erwähnt, plane ich die Plots meiner Bücher sehr genau, d.h. ich überlege sehr lange und wäge verschiedene Optionen gegeneinander ab. Die verschiedenen Varianten halte ich jedoch nur stichpunktartig fest, sodass ich in der Regel keine irrelevanten Texte schreibe. Beim Niederschrift des Manuskripts kommt es allerdings gelegentlich war, dass ich bereits ausformulierte Passagen wieder entferne, weil sie nicht in den Erzählrhythmus passen oder den Fortgang des Plots unnötig verzögern.
Was ist für Sie das Schwerste, was das Einfachste am Schreiben? Ich finde, dass Schreiben, zumindest das professionelle, generell eine verdammt schwere Arbeit ist, die von den meisten Menschen grob unterschätzt wird. Einfach ist daran eigentlich gar nichts. Was mir persönlich am leichtesten fällt, ist die Ideefindung. Nahezu jeden Tag kommt mir ein neuer Einfall zu einem neuen Buch. Sehr viel schwieriger ist dann zu entscheiden, welche Idee wirklich tragfähig ist und aus dieser dann einen richtig gut funktionierenden Plot zu entwickeln. In der Regel ist das für mich ein ungemein mühseliger, ja manchmal sogar quälender Prozess. Das Aufschreiben der Geschichte ist dann wieder weniger schwierig, aber immer noch anstrengend genug.
Was halten Sie von Fernlerngängen und Autorenschulen? Haben Sie so etwas schon einmal mitgemacht? Wenn ja, was waren Ihre Erfahrungen dabei? Glauben Sie, dass dies für Jungautoren hilfreich sein könnte und warum?Die handwerkliche Seite des Schreibens wird von den meisten Menschen schlichtweg unterschätzt. Gutes und spannendes Erzählen unterliegt nun mal gewissen Regeln, die man einfach beherrschen muss, wenn man ein gutes und spannendes Buch schreiben will. Ich selbst habe mit diese handwerklichen Grundfertigkeiten auf unterschiedliche Weise angeeignet:
1. durch das Studium zahlloser Bücher – überwiegend amerikanischer -, die sich mit dem Schreibenlernen beschäftigen. Selbst heute noch „verschlinge“ ich immer wieder neue Lehrbücher und lerne immer wieder Neues dazu.
2. durch das Lesen unendlich vieler Bücher der unterschiedlichsten Art
– und 3. durch das Schreiben selbst. Nicht umsonst gibt es einen Merksatz: writing is rewriting – was einfach bedeutet, dass man alles unzählige Male umschreiben und überarbeiten muss, bis endlich ein tauglicher Manuskript fertig ist. Aber was das Schöne daran ist – man lernt jedes Mal immer mehr dazu.
Obwohl ich selbst also weder an Fernlehrgängen teilgenommen noch Autorenschulen besucht habe, kann ich mir vorstellen, dass diese für angehende Autoren durchaus hilfreich sein können, vorausgesetzt natürlich, dass diese Kurse auch richtig und professionell aufgezogen sind. Das Allerwichtigste aber ist – Schreiben, Schreiben und immer wieder Schreiben...
Gibt es in Ihren Werken Tabuwörter oder Vulgärausdrücke? Wenn ja, wie setzen Sie diese ein und warum? Wenn nein, würden Sie solche Worte je verwenden? Ich versuche immer die Sprache zu verwenden, die dem Plot und den Charakteren angemessen ist. Obwohl sich die Protagonisten der „Laura“-Romane durchaus der Umgangs- und Alltagssprache bedienen, vermeide ich Vulgärausdrücke weitgehend bzw. ganz.
Welche Ihrer Figuren liegt Ihnen am meisten am Herzen? Mit welcher können Sie sich vorrangig identifizieren? Ist es schon einmal vorgekommen, dass es Ihnen schwer gefallen ist, einen Charakter sterben zu lassen? Ich liebe alle meine Figuren, die positiven genauso wie die negativen, die Helden wie die Bösewichte. Sie sind so etwas wie von mir geschaffene Kinder und liegen mir deshalb alle gleich viel am Herzen. Beim Schreiben lache und weine ich mit ihnen, und obwohl es mir noch nicht schwer gefallen ist, jemanden sterben zu lassen, hat mich das dennoch durchaus traurig gestimmt.
Sie leiteten eine Kinokette. Träumen Sie davon, ihre Laura Leander-Geschichten auf der großen Leinwand zu sehen?
Wenn einer Ihrer Romane jemals verfilmt werden würde, welchen Schauspieler würden Sie dann gern darin sehen und warum? Natürlich plane ich seit Langem, die Laura-Romane auch zu verfilmen. Da Fantasy-Filme allerdings in der Regel ein riesiges Budget erfordern, bleibt es abzuwarten, ob ich das dafür nötige Geld auch auftreiben kann.
Deshalb ist es im Moment auch viel zu früh, sich Gedanken über eine Besetzung zu machen – zumal die jugendliche Protagonisten wohl allesamt gecastet werden müssten.
Wie lange benötigen Sie im Regelfall um einen ansprechenden Titel für ihre Romane oder einzelne Kapitel zu finden? Das geht in der Regel relativ schnell – und reicht von spontanen Blitzeinfällen bis hin zu einer Bedenkzeit von ein, zwei Tagen.
Orientieren Sie sich beim Schreiben thematisch am bereits bestehenden (Buch-) Markt/ Ihrem Verlag oder schreiben Sie einfach das, was Ihnen selbst gefällt? Zunächst muss das, was ich schreibe, mir selbst gefallen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, etwas Vernünftiges über ein Thema zu schreiben, das mich nicht interessiert. Aber gleichzeitig überlege ich natürlich auch, ob die Geschichte, die ich erzählen möchte, auch anderen Menschen gefallen könnte. Ich schreibe nicht aus Selbstzweck, sondern weil ich andere Menschen mit meinen Büchern unterhalten und begeistern möchte. Deshalb versuche ich Themen zu finden, die nicht nur mich, sondern auch andere brennend interessieren.
Auf Ihrer Homepage ist nachzulesen, dass Ihnen die Idee zu den Laura Leander Romanen gekommen ist, als sie Ihren Söhnen Abends Geschichten erzählt haben, die darin auch die Hauptfiguren spielten. Wie kam es später dann dazu, dass ein Mädchen die Protagonistin der Romane darstellt? Für mich stand von Anfang an fest, dass ein Mädchen die Hauptfigur in meinen Büchern spielen sollte – und zwar aus zwei Gründen: zum einen habe ich selbst zwei Söhne und glaube deshalb zu wissen, wie Jungs „ticken“. Deshalb wollte ich, zumindest beim Schreiben, auch mal ein Mädchen näher kennen lernen.
Zum anderen hatte ich den Eindruck, dass in Fantasy-Büchern und -Filmen die männlichen Helden eindeutig dominieren. Was auch damit zu tun hat, dass männliche Protagonisten in der Regel kommerziell erfolgreicher sind und sich schlichtweg besser verkaufen, wie alle einschlägigen Untersuchungen beweisen. Dennoch habe ich mich für ein Mädchen entschieden, weil ich es einfach als zeitgemäßer empfinde. Schließlich stehen Mädchen und Frauen uns Jungs und Männern schon längst in Nichts mehr nach.
Immer wieder stolpert man über den Vergleich mit Harry Potter, obwohl Ihre Romane ja "ganz anders "seien. Wie gehen sie mit diesem Vergleich um? Ehrt er Sie oder sehen Sie ihn eher ungern? Natürlich war mir von Anfang an klar, dass dieser Vergleich kommen würde, schließlich sprechen die „Laura“-Bücher das gleiche Lesepublikum an wie Harry Potter. Obwohl - bei der Rowling ist eigenartigerweise niemand auf die Idee gekommen, ihre Romane mit den vielen fantastischen Romanen zu vergleichen, die insbesondere englische Autorinnen schon lange vor ihr geschrieben haben. Soweit ich das beurteilen kann - ich kenne nur den ersten HP!-, gibt es zudem außer der Tatsache, dass sowohl Harry als auch Laura ein Internat besuchen, kaum noch Ähnlichkeiten zwischen den Laura und Harry-Romane – in den späteren Band übrigens noch sehr viel weniger als im ersten! Aber sei`s drum: wer Laura und Harry vergleichen möchte, der soll das ruhig tun. Und solange der Vergleich derart positiv ausfällt – immer mehr Leser behaupten inzwischen, Laura sei viel spannender und aufregender als Harry Potter, wie man auf den Laura-Websites nachlesen kann -, und selbst eine offizielle Harry-Potter-Website die Laura als legitime und sehr gelungene deutsche Ausgabe von Harry Potter bezeichnet, soll mir das recht sein.
Ist es Zufall, dass unter den Bösen bei Laura Leander auffällig viele naturwissenschaftlichen Lehrer sind und unter den Guten auffällig viele geisteswissenschaftliche? Das ist in der Tat reiner Zufall. Ich selbst besitze nämlich ein ausgesprochenes Faible für Naturwissenschaften und könnte mich stundenlang mit mathematischen und Logik-Rätseln beschäftigen.
Sie schreiben schon viele Jahre. Wie genau sind Sie zum schreiben gekommen und was wäre ein Reiz für Sie, was Sie unbedingt noch einmal ausprobieren müssten? Den Wunsch zu schreiben habe ich schon sehr früh verspürt, auch wenn ich ihm so richtig erst nach meinem Studium nachgekommen bin. Seitdem habe ich – in und neben meinen verschiedenen Tätigkeiten – auf die eine oder andere Weise immer geschrieben. Dabei ist es mir natürlich nicht anders ergangen als vielen anderen Autoren auch: anfangs hat es vornehmlich Absagen gehagelt. Dass ich mich davon nicht habe ermutigen lassen, wundert mich manchmal noch heute. Nach der 100. Absage habe ich allerdings doch eine Konsequenz gezogen: ich habe beschlossen, die Absagen nicht mehr zu archivieren, sondern sie zukünftig schlichtweg in den Mülleimer zu schmeißen. Das habe ich dann auch gemacht, bis aus den Absagen schließlich Zusagen wurden.
Übrigens: der erste Artikel, für den ich jemals Honorar bekommen habe, war ein Bericht über die Geburt meines ersten Sohnes, der vom Berliner „Tagesspiegel“ in der Weihnachtsausgabe auf einer ganzen Seite abgedruckt wurde.
Im Moment bin ich mit dem Schreiben überaus glücklich und verspüre keinerlei Impuls, damit aufzuhören. Aber ich habe es in meinem bisherigen Leben immer so gehalten, dass ich meine jeweilige Tätigkeit immer dann aufgegeben habe, wenn sie mich nicht mehr interessiert hat. Auch wenn ich mir im Augenblick überhaupt nicht vorstellen kann, dass mir das mit dem Schreiben genauso ergehen könnte, würde ich für den unwahrscheinlichen Fall ganz gewiss ein neues Betätigungsfeld finden...
Gibt es eine bestimmte Eigenschaft, die man als Autor auf alle Fälle benötigt? Natürlich benötigt ein Autor Talent und handwerkliche Fertigkeiten. Die allerwichtigste Eigenschaft allerdings ist Ausdauer bzw. Durchhaltevermögen. Wie schon erwähnt, ist Schreiben ungemein schwierig, und man wird dabei dauernd mit neuen Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert. Wer dann nicht die nötige Disziplin besitzt, sich durch diese schwierigen Phasen zu quälen, wird nie einen Roman zustande bringen.
Wie gehen Sie mit negativer Kritik an Ihren Werken um? Was möchten Sie Ihren größten Kritikern sagen? Sind Sie auch selbstkritisch?Es kommt immer darauf an, von wem diese Kritik stammt. Natürlich versuche ich selbstkritisch zu sein, was mir allerdings nicht immer gelingt. Deshalb mache ich als Autor natürlich auch Fehler – und dann ist eine entsprechende Kritik, sei es von einem Lektor oder einem Kollegen, nur hilfreich und konstruktiv. Genauso wichtig ist für mich das Feedback der Leser – sowohl positiver als auch negativer Art. Worauf ich allerdings überhaupt nichts gebe, ist die Meinung professioneller Buchkritiker. Positive Besprechungen nehme ich zur Kenntnis, negative tangieren mich nicht im Geringsten.
Was, glauben Sie, macht das Besondere an Ihren Romanen aus? Wem würden Sie empfehlen sie zu lesen? "Kennen" Sie Ihre Leser?Das Besondere an den „Laura“-Romanen ist sicherlich, dass Laura Leander so „normal“ ist – was es jedem Leser, ganz egal ob jung oder älter, weiblich oder männlich, ermöglicht, sich an ihre Stelle zu versetzen. Laura kommt mitten aus unserer Realität – und muss sich dann in einem fantastischen Umfeld behauptet. Hinzu kommt, dass dieser Laura nichts in den Schoß fällt, sondern dass sie sich alles selbst erkämpfen, sich verdammt anstrengen und immer wieder großen Mut beweisen muss, um ihre schwierige Aufgabe zu erfüllen. Auch das macht es für die Leser leichter, ihre spannenden Geschichten nachzuvollziehen, denn ihnen ergeht es ja ähnlich. Natürlich erlebt nicht jeder so aufregende Abenteuer wie die Laura, aber letztendlich muss auch jeder von uns sich jeden Tag aufs Neue anstrengen, um die Anforderungen, die das tägliche Leben mit sich bringt - sei es in der Schule, im Job, in der Familie, oder sonst wo -, zu meistern und zu bewältigen.
Für mich selbst sind die Laura-Romane also keineswegs „pure“ Fantasy, sondern eher eine Mischung aus realer Geschichte und Fantasy. Schließlich lebt Laura in unserer „normalen“ Welt und hat sich deshalb als Dreizehnjährige auch mit den gleichen Problemen herumzuschlagen wie ihre Altersgenossen auch. Allerdings entdeckt sie recht schnell, dass hinter unserer Welt noch eine zweite, verborgene existiert, die ebenso wichtig ist – und damit kommt natürlich ein genuines Fantasy-Element ins Spiel. Die Fantasy hat für mich als Autor den Vorteil, dass darin der Konfikt zwischen Gut und Böse, anders als in der Realität, in seiner archetypischen Form abgehandelt werden kann. Und genau um diesen Konflikt geht es letztendlich in den Laura-Romanen – um diesen ewigen Kampf zwischen Licht und Finsternis, der die Menschheit schon seit dem Anbeginn ihrer Existenz beschäftigt, wie die Mythen, Sagen und Legenden aller Völker diese Erde beweisen.
Als ich mit dem Schreiben der Laura-Bücher anfing, war es mein Ziel, aufregende Geschichten für alle jungen und jung gebliebenen Leser zwischen 9 und 99 Jahren zu schreiben – und deshalb würde ich die Bücher allen empfehlen, die im Herzen jung geblieben sind und sich den Mut zum Träumen bewahrt haben.
Und was meine Leser betrifft: ich glaube zumindest sie zu kennen. Zumal ich durch die vielen Mail, die ich tagtäglichen bekomme, und durch meine Lesungen in direktem Kontakt mit ihnen stehe.
Was ist das erste Buch, das Sie jemals gelesen haben? Wer sind Ihre fünf Lieblingsautoren? Finden sich darunter vielleicht auch Vorbilder? Welches Buch möchten Sie nie und unter keinen Umständen geschenkt bekommen? Das erste „dickere“ Buch, das ich als kleiner Junge gelesen haben – ich muss damals so rund sieben, acht Jahre gewesen sein -, hieß „Ramon, weißer Häuptling der Apachen“ und stammt von Hans Lehr. Ich bin ganz glücklich, dass ich es vor Kurzem antiquarisch wieder erwerben konnte!
Da ich sehr viel lese, habe ich sehr viele Lieblingsautoren und –bücher. Einige möchte ich dennoch hervorheben: Ernest Hemingway, dessen Kurzgeschichten ich schon als Jugendlicher verschlungen habe und immer wieder mit ebenso großer Begeisterung wie Bewunderung lese, weil sie mit so wenigen Worten so unendlich viel ausdrücken. John Updike und John Irving – fast alles von den beiden, weil die sehr weise, intelligent und witzig über das „wahre“ Leben schreiben. Ken Follett, dessen „Säulen der Erde“ mir schlagartig deutlich gemacht hat, wie man einen epischen Roman konzipiert. Stephen King, dessen Fantasie schier grenzenlos ist, und Hennig Mankell, dessen Kommissar Wallander das ganze Dilemma unserer Zeit in einem einzigen Satz zusammenfasst: „Unsere Probleme haben begonnen, als wir aufgehört haben, unsere Strümpfe zu stopfen.“ Auch wenn sich das wie ein Joke anhören mag – es lohnt sich, darüber einmal gründlich nachzudenken!
All diese Autoren haben sicherlich Spuren bei mir hinterlassen, auch wenn ich kein konkretes Autoren-Vorbild benennen könnte. Was mein Schreiben allerdings sehr viel Stärker beeinflusst haben dürfte, ist die Filmdramaturgie und meine Tätigkeit als Drehbuchautor. Beim Drehbuchschreiben geht es nämlich darum, die Zuschauer möglichst schnell zu „packen“, d.h. für einen Stoff zu interessieren, und sie dann immer wieder mit neuen, überraschenden Wendungen und Entwicklungen bei der Stange zu halten und ihnen möglichst keine „Luft zum Atmen“ zu geben. Genau das habe ich bei den Laura-Büchern versucht – und die überwältigende Mehrzahl der Leser bestätigt mir auch immer wieder, dass die Bücher so spannend sind, dass sie sie gar nicht mehr aus der Hand legen können, bis sie zu Ende gelesen haben. Es ist sogar schon vorgekommen, dass Leser so gefesselt waren, dass sie es versäumt haben, an der richtigen Haltestelle auszusteigen – was nur für die Bücher spricht, wie ich finde.
Was mich allerdings nicht die Bohne interessiert, sind Promi-Biographien der verschiedensten Art. Die können mir allesamt gestohlen bleiben.
Gab es in Ihrem Leben besondere Menschen, die Sie sehr in dem bestärkt haben, was Sie jetzt tun oder eben gerade nicht? Wie sind Sie jeweils damit umgegangen? Möchten Sie diesen Menschen etwas sagen?So merkwürdig sich das anhören mag – es gab niemanden in meinem Leben, der mich im Schreiben oder meinen sonstigen Tätigkeiten bestärkt hätte. Einzig und allein mein fester Wille und der unerschütterliche Glaube an mich selbst hat dazu geführt, dass ich es am Ende doch geschafft habe.
Was glauben Sie, welchen Stellenwert hat das Buch heutzutage noch?Es wird immer Menschen geben, die Bücher lesen. Dennoch fürchte ich, dass der Stellenwert des Buches immer weiter abnimmt – und leider ganz besondere bei männlichen Jugendlichen. Was mehr als schade ist. Nur wer liest, lernt seine Sprache zu beherrschen. Und nur wer seine Sprache beherrscht, kann richtig denken. Unsere Gedanken entwickeln sich nämlich nicht im abstrakten Raum, sondern sind an unsere Sprache gebunden, sodass ohne richtige Sprache auch kein richtiges Denken möglich ist.
Gibt es sonst noch etwas, was Sie dem Leser mitteilen möchten? Ich möchte meine Leser nicht belehren, sondern sie in erster Linie unterhalten. Dennoch habe ich einen Rat an jeden von ihnen: glaubt an euch selbst und lasst euch von niemandem entmutigen. Bildet euch eine eigene Meinung, bleibt kritisch und misstraut vor allem den Lügnern, die euch ständig einflüstern wollen, das Wichtigste im Leben sei Spaß. Nur wer die Probleme und Schwierigkeiten, die im Leben unweigerlich auf jeden von uns zukommen, mit unerschütterlichem Mut angeht und sie zu bewältigen versucht, wird ein glückliches und selbstbestimmtes Leben führen können – und genau das wünsche ich jedem Menschen, nicht nur meinen Lesern.