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Grim-Das Siegel des Feuers - Gesa Schwartz

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BeitragVerfasst: Sa 06. Mär 2010, 16:53 
Administratorin
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Registriert:
Do 11. Mai 2006, 15:08

Beiträge: 6398

Wohnort:
Berlin
Interview mit Gesa Schwartz


Wir danken der Autorin ganz herzlich für dieses Interview!
Wer noch mehr Fragen zu, mit und rund um Gesa Schwartz hat, der kann auch ihre Homepage besuchen.
http://gesa-schwartz.de/



Bild
Der Pariser Gargoyle Grim ist ein Schattenflügler, seine Aufgabe ist es, das steinerne Gesetz zu wahren, dass niemals ein Mensch von der Existenz seines Volkes erfahren darf. Doch eines Tages wird dieses Gesetz gebrochen und Grim begegnet der jungen Sterblichen Mia, die über eine besondere Gabe verfügt: Sie ist eine Seherin des Möglichen. Mia gerät in den Besitz eines rätselhaften Pergaments, das mit merkwürdigen Schriftzeichen bedeckt ist, die sie nicht entziffern kann. Kurz darauf wird sie von gefährlichen Anderwesen verfolgt. Gemeinsam beschließen Grim und Mia, das Geheimnis des Pergaments zu ergründen. Sie ahnen nicht, dass sie sich damit auf eine gefährliche Reise begeben. Denn sie sind einem Rätsel auf der Spur, das nicht nur ihr eigenes Leben bedroht, sondern das Schicksal der ganzen Welt.




Möchtest Du Dich einmal kurz vorstellen? Was für einen Menschen sollte man vor Augen haben, wenn man den Namen "Gesa Schwartz" hört?
Am besten gar nicht mich, sondern eine Figur aus einer meiner Geschichten – beispielsweise Grim. ;) Es sind meine Geschichten, die zählen, nicht ich als Person. Aber wer dennoch etwas über mich erfahren möchte, dem sei gesagt, dass ich 29 Jahre alt bin, in einem Zirkuswagen lebe und mit Leib und Seele Geschichten erzähle. Mehr Informationen über mich und meine Geschichten finden sich auf meiner Homepage.


Könntest Du uns Dein neuestes Werk vielleicht kurz schildern?
„Grim. Das Siegel des Feuers“ ist eine düstere Urban-Fantasy-Geschichte, in der mein Protagonist, der Gargoyle Grim, mit dem Menschenmädchen Mia ein spannendes Abenteuer in den Schatten der vor den Menschen verborgen gehaltenen Anderwelt erlebt.


Bis zur Entstehung dieses Romans war es ein weiter Weg. Welche Stationen haben ganz maßgeblich dazu beigetragen?
Oh, das sind einige. Am tiefgreifendsten für die Entstehung Grims, aber auch für meine persönliche Entwicklung waren sicherlich zum einen die Rückschläge, die wohl jeder kennt, der sich um eine Veröffentlichung bemüht, zum anderen aber vor allem die privaten Ereignisse, die ich in den vergangenen Jahren erlebt habe. Hier sind natürlich besonders die Todesfälle in meiner Familie und in meinem engsten Freundeskreis von Bedeutung. Es ist einfach etwas anderes, ob man den Tod als relativ abstraktes Thema betrachtet, oder ob man einen Menschen auf dem Weg in den Tod begleitet, seine Hand hält, wenn er stirbt, seinen letzten Atemzug hört, und dann in die Welt zurückkehrt, die plötzlich ganz fremd und zerrissen geworden ist – so wie man selbst sich fremd und zerrissen erscheint. Hätte ich diese Erfahrungen nicht gemacht, wäre nicht nur ich selbst, sondern auch mein Schreiben und damit auch meine Geschichten vollkommen anders, als sie es jetzt sind.


Wie genau bist Du auf die Idee gekommen, die mythische Gestalt eines Gargoyles zur Hauptfigur eines Deiner Werke zu machen?
Eigentlich ist die Idee zu mir gekommen, und zwar in Form einer dunklen Gestalt mit riesigen Schwingen hoch über den Dächern von Paris: Das war Grim, und sobald ich seinen Namen erfahren hatte, wollte ich mehr von ihm wissen und seine Geschichte erzählen. Darüber hinaus sind Gargoyles bzw. steinerne Figuren im Allgemeinen für mich ein Sinnbild für die Existenz des Geheimnisvollen in unserem ganz alltäglichen Leben – und das hat mich schon immer fasziniert.


Mia Lavie ist eine siebzehnjährige Pariserin, die mitten hinein in die Geschehnisse geworfen wird, sich diesen aber mit Bravour stellt. Was verbindet Dich selbst mit dieser Hauptfigur des Romans?
In einem anderen Interview sagte ich einmal, dass ich in jeder meiner Figuren stecke – ähnlich einem zerbrochenen Bild, dessen Teile von den verschiedenen Charakteren aufgesammelt und in sich beherbergt werden. Das trifft tatsächlich zu. Allerdings überlasse ich es lieber der Spekulation des Lesers, darüber zu entscheiden, wieviel und v.a. was von mir in den einzelnen Figuren steckt. Auf Mia bezogen kann ich aber verraten, dass ich mich wie meine Protagonistin bevorzugt schwarz kleide.


Grim ist ein junger Gargoyle, der sich in sich selbst zurückgezogen und an den Rand seiner Gesellschaft manövriert hat. Aber er zeichnet sich auch durch großes Pflichtbewusstsein aus. Gibt es ein Vorbild für seine Entstehung?
Nein. Grim ist – wie alle meine Figuren – von ganz allein zu mir gekommen, ohne dass ich von einer anderen Gestalt inspiriert worden wäre, und hat nach und nach seine Masken fallenlassen – allerdings bis heute immer noch nicht alle.



Die Gargoyles Deines Romans kommen nicht immer nur auf zwei Beinen daher. Es gibt ebenso einen kleinen Teufel, eine Ziege und einen Löwen. Gibt es diese Figuren vielleicht auch in unserer, der "echten" Welt zu bewundern?
Das kann gut sein. :) Tatsächlich habe ich während meiner Recherche zahlreiche Gargoyles gesehen und in vielen die Züge einiger meiner Charaktere erkannt, dass es mir manchmal richtig unheimlich war. Aber auch hier waren zuerst die Figuren der Geschichte da, und erst danach habe ich sie teilweise sozusagen in der Realität gefunden. Wer auf Spurensuche gehen will, könnte sich den Turm Saint-Jacques einmal genauer ansehen. Einige der Figuren sehen manchen Charakteren in meiner Geschichte überaus ähnlich – insbesondere Fibi könnte mit dem ein oder anderen Teufel an dem Turm verwandt sein.


Gargoyles werden hier nicht geboren, sondern aus Lava gemacht. Hybride - eine Mischung aus Gargoyle und Mensch - enstehen, wenn der Geist eines Menschen in den Stein übergeht. Dennoch gab es in den Jahrhunderten stets auch Liebesgeschichten zwischen Gargoyles und Menschen. Könntest Du diese Konzeption vielleicht etwas näher erklären?
Nicht alle Gargoyles werden aus Lava erschaffen. Nur die Gargoyles des stärksten Clans – die Vulkangeborenen – entspringen sozusagen tatsächlich einem Vulkan. Es gibt auch Gargoyles, deren Körper wie Statuen erschaffen werden, ehe ihr Schöpfer sie durch seinen Kuss zum Leben erweckt. Bei den Hybriden gibt es verschiedene Schöpfungsmöglichkeiten. Eine davon ist die ganz natürliche Fortpflanzung wie bei Menschen (Hybriden können sowohl Menschen- als auch Gargoylegestalt annehmen). Der Legende nach wurden die ersten Gargoyles nach dem Vorbild der Menschen geschaffen und sind noch sehr menschenähnlich gewesen. So lässt es sich auch erklären, warum die Gargoyles menschliche Organe haben wie Lunge, Herz etc. Mit der Zeit haben sich Gargoyles und Menschen voneinander entfernt – innerlich wie äußerlich, aber manchmal ist es dennoch vorgekommen, dass zwei dieser so verschieden gewordenen Völker mehr ineinander gefunden haben als das Fremde, Andere. Wie tragisch eine solche Verbindung allerdings enden kann, zeigt die Geschichte.


Der Anführer der Hybriden - Seraphin von Athen - hat seinen Schlag gegen die Anderwelt von langer Hand geplant. Wie ist das bei Dir: Planst Du jedes Detail Deiner Handlung komplett durch oder lässt Du Dir dabei auch einen gewissen Spielraum?
Das kommt immer auf die Geschichte an, aber generell habe ich inzwischen schon ein Konzept, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Gleichzeitig bemühe ich mich aber, mich nicht daran festzuklammern, und meine Figuren haben immer die Möglichkeit, meine zuvor so schön durchdachten Pläne zu durchkreuzen (auch wenn ich sie manchmal dafür umbringen könnte). Das sind eigentlich die schönsten Momente beim Schreiben für mich: die, in denen sich die Figuren ihren eigenen Weg suchen, wenn die Geschichte zum Leben erwacht und einen Atem, einen Rhythmus entwickelt, so dass ich mich zusammen mit meinen Figuren ins Abenteuer stürzen kann.


Welche der Figuren ist Dein erklärter Liebling und warum?
Das ist ganz schwer und für mich gar nicht zu beantworten, denn letztlich sind alle Figuren mir ans Herz gewachsen und ich habe da keine Hierarchie. Selbst über die Nebencharaktere habe ich mir viele Gedanken gemacht und mir eine Vergangenheit zu ihnen überlegt (die nur in Einzelfällen allerdings bereits erzählt wurde), und es gibt keine Figur, die nicht eine eigene Stimme für mich hat. Nein, da eine herauszupicken wäre ungerecht.


"Grim - Das Siegel des Feuers" spielt in Paris: Hast Du die Stadt je persönlich besucht? Wenn ja, wie hat sie Dir gefallen, welche Eindrücke konntest Du mitnehmen?
Ja, ich habe Paris schon sehr oft besucht – so oft, dass ich inzwischen richtig unruhig werde, wenn ich länger nicht mehr dort war. Paris ist für mich eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Stadt, sie hat einen ganz ähnlichen Atem wie die Geschichte um Grim. Mia denkt an einer Stelle des Buches: Jede Stadt hat einen bestimmten Duft. Aber den Duft der Sehnsucht findet man nur in Paris. Da bin ich mit ihr einer Meinung.


Wie viel musstest Du insgesamt für den Roman recherchieren? Wie wichtig ist es Dir, trotz aller Fiktion, authentisch zu sein?
Ich habe sehr viel recherchiert, und das ist mir auch sehr wichtig. Das Wesentlichste bei allen Recherchen ist mir aber, immer die Geschichte ins Zentrum zu stellen, also kein Wissen um des Wissens Willen unterzubringen, sondern nur Informationen, die der Geschichte dienen. Neben relativ gewöhnlichen Bereichen wie Recherchen über Gargoyles bzw. Wasserspeier, Kampfkunst, Bildhauerei, die Historie verschiedener Städte und verschiedene menschliche Mythen waren auch – für mich – ziemlich besondere Themen dabei, beispielsweise Lockpicking (das Aufsperren von Schlössern ohne passenden Schlüssel), die verbotenen Teile der Katakomben von Paris und Rom oder auch die Überwachungsmaßnahmen auf Pariser Friedhöfen. Ich habe mich sehr intensiv darum bemüht, die Originalschauplätze der Geschichte aufzusuchen und wenn möglich auch zu dokumentieren. Auf meiner Homepage (http://www.gesa-schwartz.de) habe ich zwar noch nicht alle, aber doch schon einige Recherchehintergründe online gestellt, um dem Leser einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren.


Auf Deiner Homepage ist nachzulesen, dass Du noch weitere Romane geschrieben hast. Bewegen diese sich ebenfalls im phantastischen Genre?
Nein, nicht alle – aber in den vergangenen Jahren doch die meisten.


Was ist für Dich das Besondere an Phantastik? Könntest Du Dir vorstellen, einmal in einem anderen Genre zu schreiben?
Die Phantastik ist ein unglaublich spannendes Genre, da in ihr alles möglich ist. Diese Freiheit, das Grenzenlose ist sehr reizvoll. Dennoch sind es letztlich immer die Geschichten, die alles weitere entscheiden – auch, in welchem Genre sie erzählt werden wollen. Daher schließe ich auch kein Genre für mich aus.


Du hast schon sehr früh mit dem Schreiben begonnen. Was war daran für Dich das Besondere, das Dich all die folgenden Jahre hat weiter machen lassen?
So einfach es klingen mag: die Geschichten. Der Augenblick, in dem eine Geschichte anfängt zu atmen, mich in sich aufsaugt und es mir ermöglicht, ein Abenteuer zu erleben, das ich mir nie hätte träumen lassen. Die Möglichkeit, mich durch dieses Abenteuer zu verändern und durch Worte für andere Menschen eine Welt zu erschaffen, in die sie eintauchen und sich ebenfalls verwandeln lassen können, um dann auf diese Art verändert in die äußere Welt zurückzukehren. Und nicht zuletzt der Moment, in dem eine Figur, die lange mit geneigtem Kopf in der hintersten Ecke meines inneren Stirnzimmers hockte, den Blick hebt und mir ihren Namen nennt.


Benötigst Du eine bestimmte Atmosphäre beim Schreiben? Wie schaffst Du Dir diese?
Eine bestimmte Atmosphäre brauche ich nicht, auch wenn einige Dinge hilfreich sind: so schreibe ich generell nachts besser als tagsüber und bei Regen konzentrierter als bei hellem Sonnenschein. Unabdingbar ist nur zweierlei: ein freier Kopf (sehr schwer!) und Ruhe (auch nicht leichter!).


Haltst Du Dich beim Schreiben an altbewährte Muster (im Plot, Klischees) oder versuchst Du diese bewusst zu durchbrechen?
Beides. Auch hier gehe ich von der Geschichte aus: Mitunter können auch Klischees spannend sein und bestimmte Dinge besser transportieren als etwas Gewollt-Neues. Ich bin ohnehin kein Anhänger der Meinung, dass man ständig irgendetwas Noch-Nie-Dagewesenes produzieren müsse – worum es mir geht, sind gute Geschichten, und ich bemühe mich, immer so zu schreiben, wie es die jeweilige Geschichte verlangt.


Wie gehst Du mit Kritik um? Bist Du auch selbstkritisch?
Ja, ich bin sehr selbstkritisch und ich denke auch, dass das beim Schreiben nie verkehrt ist, im Gegenteil. Es gibt inzwischen einige Menschen, angefangen von Testlesern bis hin zu Lektoren, die meine Texte kritisieren – für ihre Kritik bin ich immer sehr dankbar, da sie mir hilft, mich zu verbessern und meine Geschichten so zu erzählen, wie sie es verdienen.
Wie ich mit Kritik von außen, also sozusagen von Fremden, umgehe, kommt auf die Kritik an. Wichtig bei aller Kritik ist mir, wer mich kritisiert, d.h. ich frage mich immer zuerst, was denjenigen dazu befähigt, die Kritik zu üben, was ihn also gewissermaßen für mich zu einer Autorität macht. Wenn ich die Kritik dann als gerechtfertigt ansehe, versuche ich, mich zu verbessern. Mitunter werden persönliche Meinungen geäußert, die der meinen widersprechen – aber die sind mir dann nicht so wichtig, denn jeder hat das Recht, sich seine Meinung zu bilden und sie zu vertreten, und nicht jedem muss gefallen, was oder wie ich schreibe. Wenn allerdings oberflächlich gelesen wurde oder andere Motive hinter einer Kritik stecken, die mit dem eigentlichen Text erst in zweiter Linie etwas zu tun haben, dann landet die Kritik in meiner – ich zitiere Ralf Isau – „mentale[n] Sondermülltonne“.


Wer hat das gelungene Cover Deines Romans gestaltet? Hattest Du dabei ein Mitspracherecht? Wie wichtig ist für Dich persönlich ein ansprechendes Cover, wenn Du ein Buch kaufst?
Das Cover wurde vom Verlag bzw. der zuständigen Agentur gestaltet und ich finde es ganz großartig. Es ist ziemlich genau so geworden, wie ich es anfangs im Kopf hatte, und ich bin sehr dankbar dafür, dass Lyx mich in die Gestaltung miteinbezogen hat. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, mich aktiv an der Covergestaltung zu beteiligen. Für mich bilden das äußere Erscheinungsbild und der eigentliche Text eine Einheit, zusammen transportieren sie die Stimmung der Geschichte, und das freut mich sehr.
Ein ansprechendes Cover ist mir bei einer Kaufentscheidung auch wichtig, wobei ich immer in das Buch hineinlese – denn letztlich muss mich der Text selbst überzeugen.


Wie sieht Deine Zukunftsplanung aus? Was dürfen die Leser als nächstes von Dir erwarten? Gibt es vielleicht ein Wiedersehen mit der Welt von Grim?
Ja, ich arbeite gerade an einem weiteren Abenteuer von Grim. Es wird ein wenig düsterer und actionreicher als der Vorgänger, und auf jeden Fall bleibt es spannend.


Was zeichnet "Grim" gegenüber anderen Werken auf dem Buchmarkt aus? Warum glaubst Du, ist er es wert gelesen zu werden?
Ich war noch nie gut darin, mich selbst oder meine Geschichten zu vermarkten – deshalb habe ich eine Agentur. ;) Für mich ist Grim eine sehr besondere Geschichte mit vielschichtigen Charakteren, die mich auf ein spannendes Abenteuer entführte, wie ich es noch nicht erlebt habe, und ich hoffe, dass viele Leser das genauso sehen werden.


Wer sind Deine fünf Lieblingsautoren? Finden Sich darunter vielleicht Vorbilder?
Fünf reichen da auf keinen Fall aus, aber ich nenne mal diejenigen, die mich mein ganzes Leben lang begleitet haben und die mir viel bedeuten: Goethe, Thomas Mann, Michael Ende, Dickens und Baudelaire. Vorbilder habe ich allerdings nicht. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um herauszufinden, dass es mir nur bis zu einem gewissen Grad geholfen hat, mir literarische Vorbilder zu suchen, denn irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man seinen eigenen Weg gehen muss. Ich könnte kein einziges Wort mehr schreiben, wenn ich ständig unerreichte Meister über meinem Kopf schweben ließe.



Was war das erste Buch, das Du jemals gelesen hast? Hat es Dich vielleicht in irgendeiner Art und Weise beeinflusst?
Oh, das weiß ich nicht mehr. Ich vermute, dass es ein Kinderbuch war, und da kommt mir sofort „Frederick“ in den Sinn von Leo Lionni. In diesem Buch wurden erstmals für mich zahlreiche Grundkonflikte thematisiert, die ich seither in beinahe jedem mir wertvoll gewordenen Buch wiedergefunden habe. Insofern hat es mich ganz sicher beeinflusst. Aber vermutlich war es nicht das erste Buch, das ich gelesen habe.


Was liest Du derzeit und wie gefällt es Dir?
Derzeit lese ich – wieder einmal – „Gorillas im Nebel“ von Dian Fossey, dieser großartigen und bemerkenswerten Frau. Ich bewundere sie zutiefst.


Welches Buch möchtest Du unter keinen Umständen geschenkt bekommen? Warum?
Bücher sind wunderbar und man kann nie genug davon haben – ich wüsste keines, das ich nicht gern geschenkt bekommen würde.


Was ist Dein Lieblingsbuch? Worin genau zeichnet es sich aus?
Es gibt unzählige Bücher, die ich großartig finde, und das aus so unterschiedlichen Gründen, dass ich niemals eines daraus zum Lieblingsbuch wählen könnte.


Was glaubst Du, welchen Stellenwert hat das (Taschen-)Buch heutzutage noch?
Ich denke, dass es in Zeiten, in denen die sogenannte äußere Welt immer stärker entzaubert und rationalisiert wird, zunehmend wichtiger wird, Inseln in dieser Wüste zu schaffen – und das können Bücher sein. Denn Geschichten sind mehr als bloße Unterhaltung, selbst wenn sie auf den ersten Blick nichts weiter zu sein scheinen – sie sind Poesie. Und die brauchen wir in unserer Welt ganz dringend.


Gibt es sonst noch etwas, was Du dem Leser mitteilen möchtest?
Ich denke, dass der Leser nach dem langen Interview froh sein wird, wenn ich hier nicht noch viel schreibe. :) Aber vielleicht lasse ich Grim noch einmal zu Wort kommen, der in einem Brief auf meiner Homepage an die Leser folgendes schreibt:
Unsere Welten sind eins. Doch den Zauber, der auf Ihren Augen liegt, kann nur einer brechen: Sie selbst. Und daher fordere ich Sie auf: lesen Sie – nicht nur meine, sondern überhaupt alle Geschichten, die Sie auf den Grund ihrer eigenen Träume und Wünsche führen, Geschichten, die Sie lachen, weinen, schreien lassen – Geschichten, die Sie lebendig machen und die Ihnen zeigen, dass mehr in der Welt steckt, als das menschliche Auge auf den ersten Blick sieht.Und wenn Ihnen die Geschichten eines Tages den Sand der wissenschaftlichen Aufklärung aus den Augen gespült haben, wenn Sie eines Nachts erwachen und für einen Moment glauben, eine steinerne Klaue hätte Ihre Wange berührt: Dann warten Sie nur. Ich bin ganz in Ihrer Nähe ...

Vielen Dank!

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