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Foren-Übersicht » Die Geschichtenrubriken » Geistes- und Sozialwissenschaften » Gesellschaft

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Das Familientreffen

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BeitragVerfasst: Mo 29. Jan 2007, 17:28 
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Registriert:
So 21. Jan 2007, 15:51

Beiträge: 50
Das Familientreffen


Sie freut sich. Es ist ihr gelungen einen Raum zu mieten. Es ist schon dunkel, doch das macht ihr nichts. Die hellen, gar grellen Lichtröhren geben diesem kleinen Raum einen gewissen Charme. Marie Müller wird diesen Abend sterben, doch vorher will sie spielen. Sie möchte ein turbulentes Spiel spielen... Ihre Beine fangen an zu schmerzen; sie entschließt das Sofa als Entspannungsort zu nutzen. Ja, hier wird sie liegen, wenn das Spiel beginnt.

Marie hatte vor zwei Wochen ihren Eltern, unabhängig voneinander, einen Zettel geschickt. Auch ihrer Großmutter. Die Alte war eine eigensinnige Frau. Die Dominanz, die von ihr ausging, war beklemmend. Jetzt saß die Alte im Bus in Richtung des Geländes. Ihre Neugier zog sie an, an einen Ort, der ziemlich verlassen war.

Alle Empfänger der Zettel hatten zusätzlich zu der eigentlichen Nachricht einen Lageplan erhalten. Marie hatte all dies sorgfältig geplant, hatte jeder der Personen einen eigenen Weg konstruiert. Sogar einen Zweitschlüssel hatte sie sich machen lassen. Ein Zeitpunkt sollte genügen um alle möglichst gleichzeitig in das Spiel eintreten zu lassen. Marie ist sehr gespannt auf die Reaktionen ihrer Verwandten, wenn sie die Situation durchblicken werden. Sie hört plötzlich Schritte von verschiedenen Seiten. Schnell zieht sie die neidgelben Vorhänge zu und verschwindet augenblicklich hinter der Tür.

Die drei sich nur allzu gut bekannten Personen bleiben alle abrupt stehen, als sie einander sehen.

Auf einmal wird hinter ihnen die Tür verschlossen und nun erblicken sie die zynische Freude auf dem Gesicht von Marie. “Hallo, alle miteinander. Es ist schön, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid. Ich denke, wir werden viel Spaß haben, wir alle zusammen.” Die Mutter kommt langsam zu ihrer Tochter: ”Was soll das, mein Schatz? Wieso schließt du uns ein? Glaubst du etwa du könntest uns einengen?” Kleinlaut kommt es aus der einen Ecke: “Deine Mutter hat recht. Gib uns den Schlüssel...” “Halt den Mund, Hans. Lass sie doch machen, es gibt nichts, was wir nicht schon wüssten.”

Marie bewegt sich mit einem Grinsen durch den engen Raum. Zuvor hatte sie alle Tische bis auf einen aus dem Raum schaffen lassen. Sie braucht Platz. Sie setzt sich auf einen der vier Stühle und fängt schallend an zu lachen.

Einen Moment herrscht Stille. Da schreit die Alte auf einmal auf: “Seht ihr nicht, was sie will. Sie will uns vorführen, uns als Marionettenpuppen benutzen.” Marie stützt sich auf ihre Krücken und kommt langsam auf die Alte zu. Sie kann die Angst spüren, ist aber von ihrem Spiel begeistert. “Gibt es denn etwas, liebe Großmama, womit ich euch, ihr klugen Erwachsenen, die ihr eigentlich im Bild eures Handels sein solltet, vorführen könnte? Gibt es eine Karte, die euer Lügenkartenhaus zum Einsturz bringt?” Eva Müller fängt bitter an zu weinen. Sie läuft zum Wasserhahn und spült sich ihre Augen aus. Als sie fertig ist, schaut sie in den Spiegel. Sie sieht die Fratze ihres provozierenden Kindes. Es spottet, es lacht über sie. Ruckartig dreht sie sich in die Richtung ihrer Tochter.

“Weißt du Vater, was ich über Mutter erfahren habe...” “Sei ruhig, sei doch endlich ruhig.” Marie lässt eine rhetorische Pause. “Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist... eine Träne in Mutters Gesicht. Seit ihr nicht auch der Meinung, dass sie sich nicht so haben sollte?”

Die Situation oder besser gesagt das Spiel kommt langsam zum Höhepunkt. Marie will die Lügenwelt ihrer Eltern, die schon seit Ewigkeiten einander vorgaukeln, dass sie glücklich verheiratet seien, entlarven. Stattdessen leben sie nebeneinander her, in der Hoffnung ein besseres Leben zu bekommen. Mittlerweile ist eine gute Stunde vergangen. Der Muff aus Kohlenstoffdioxid und verdrecktem Fußboden wird langsam unerträglich... Das Geräusch der Krücken weckt die Personen aus ihren Gedanken. Sie sitzen so, dass sie einander nicht ansehen müssen. Jetzt nimmt Marie einen roten Stift aus ihrer Hosentasche und schreibt etwas an die Wand:

Nichts fasziniert menschliches Interesse so, wie menschliche Tragödien

“Was denkt sie sich dabei bloß, werdet ihr euch wohl fragen. Seid ihr denn wirklich so naiv? Obwohl ich behindert bin, bin ich nicht minder aufmerksam. Ihr seid, wie so viele Menschen nicht in der Lage mit einem behinderten Menschen umzugehen, doch ihr seid auch nicht in der Lage mit euch umzugehen. Ihr demütigt euch täglich aufs neue und übertrumpft euch in Grausamkeiten. Ich habe euch hier herbestellt um euch zu warnen, warnen vor eurer Dummheit.”

“Lügnerin,” schreit die Mutter und zieht einen Medusenrevolver aus ihrer Handtasche. Sie schiebt den Revolver bedacht zu ihrem Mann. “Schieß auf sie, Hans, sie hat nicht das Recht uns zu verletzen.” Marie bricht vor Lachen zusammen. “Na los, Hans, erschieß deine Tochter. Sei mutig, tu es!” Die Blicke von Vater und Tochter kreuzen sich. “Schieß doch endlich, Junge,” spottet die Alte. “Na gut, wenn du keinen Mumm hast, dann schieße ich eben selbst.” Hasserfüllt reißt Eva Müller ihrem Mann die Waffe aus der Hand und erschießt ihre Tochter. Diese zuckt kurz und bleibt dann in ihrer Blutlache liegen.

Alle Familienmitglieder kamen her, an einen Ort, der ihnen einen Spiegel vorhielt. Ihre Neugier war das Lockmittel, was sie in dieses Spiel brachte.

Aufgeweckt vom Lärm ruft ein Anwohner die Polizei. Eine halbe Stunde später trifft Herr Larsen, der Dorfpolizist, ein. Was sich seinen Augen darbietet, erschreckt ihn. Noch mehr aber erschrecken ihn die Umstände, die diese Nacht zum Todesdatum von Marie Müller werden ließen.


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BeitragVerfasst: Mo 29. Jan 2007, 20:19 
Lexikon
Offline

Registriert:
Mi 16. Mär 2005, 18:26

Beiträge: 2933
Hallo Kreativer Schreiber,

Deine Geschichte zeigt, wozu Respekt- und Lieblosigkeit führen können. Dabei spielt es nicht einmal eine große Rolle, dass es sich um eine Familie handelt. Trotzdem ist es gerade dieser Punkt, der mich verwundert.
Das Lesen deiner Geschichte hat mir den Kopf verdreht, denn mir ist nicht ganz klar, an welcher Stelle das Problem in dieser Beziehung zu suchen ist. Dass Marie behindert ist, steht für sie selbst im Vordergrund, allerdings tritt dieser Aspekt nur hintergründig in Erscheinung, denn die Familie lacht nicht über die Behinderung des Kindes, sie macht sich nicht über sie lustig - in dem Sinne. Vielmehr überwiegt die o.g. Lieblosigkeit, da ist kein Vertrauen zwischen den Figuren, alles scheint rein auf Intrigen und Schadenfreude ausgelegt zu sein. Und gerade das scheint dann auch am Ende zu diesem Mord zu führen. Wenn du das Hauptaugenmerk auf die Behinderung der Tochter legen wolltest, dann müsste das viel deutlicher werden.
Die Gesamtsituation ist natürlich sehr skurril, aber ich sehe sie auch eher symbolisch. Zum Beispiel gibt die Mutter dem Vater die Waffe, um die Tochter zu erschießen, dieser lässt sich unterbuttern, aber den Mut, seine Tochter zu erschießen, hat er trotzdem nicht. Die Großmutter, die von der Seite nur reinpatzt, scheint ein zusätzlicher Antrieb zu sein und ich schätze, sie ist die Verwandte mütterlicherseits.
Teilweise ist mir deine Geschichte zu wirr. Ich wusste an einigen Stellen nicht, wer gerade mit "sie" gemeint ist, an anderen lässt du auch Fragen offen oder Sätze ergeben - in meinen Augen - keinen Sinn. Insgesamt gefällt mir deine Geschichte gut, sie ist nur leider sehr hektisch, sodass ich es sehr anstrengend fand, dem Geschehen zu folgen.

Anmerkungen zum Inhalt:
Zitat:
Ja, hier wird sie liegen, wenn das Spiel beginnt.

Zitat:
Schnell zieht sie die neidgelben Vorhänge zu und verschwindet augenblicklich hinter der Tür.

Das erste Zitat klingt, als hätte sie es darauf angelegt, dort zu liegen, wenn die drei den Raum betreten. Dann versteckt sie sich allerdings und macht das Licht aus. Da ist mir nicht ganz klar, an welcher Stelle das Spiel beginnt.
Insgesamt bleibt für mich das Spiel an sich unklar. Es ist ein Gespräch, eine Anschuldigung - aber was wird gespielt? Kommt, Eltern, wir spielen: Ich reize euch und ihr erschießt mich. Ist es das?
Zitat:
, hatte jeder der Personen einen eigenen Weg konstruiert. Sogar einen Zweitschlüssel hatte sie sich machen lassen

Was bringt der Zweitschlüssel? Jede Person hat einen eigenen Weg, ich denke mal, sie werden trotzdem durch die Tür kommen (?), aber wieso dann EIN Zweitschlüssel - sollten sich die drei in der Wohnung gegenüberstehen oder schon vor der Tür?
Zitat:
“Halt den Mund, Hans. Lass sie doch machen, es gibt nichts, was wir nicht schon wüssten.”

Wer sagt das?
Die Mutter oder die Großmutter?
Zitat:
Sie setzt sich auf einen der vier Stühle und fängt schallend an zu lachen.

Einen Moment herrscht Stille.

Da geht's ein bisschen schnell. Sie lacht schallend und im nächsten Moment herrscht Stille. Vielleicht fügst du ein, dass die Stille "plötzlich" herrschte oder "danach" (nach dem Lachen)?
Zitat:
Marie stützt sich auf ihre Krücken und kommt langsam auf die Alte zu. Sie kann die Angst spüren, ist aber von ihrem Spiel begeistert.

Wer ist im zweiten Satz mit "sie" gemeint? Die Alte oder Marie?
Zitat:
“Weißt du Vater, was ich über Mutter erfahren habe...” “Sei ruhig, sei doch endlich ruhig.” Marie lässt eine rhetorische Pause. “Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist... eine Träne in Mutters Gesicht. Seit ihr nicht auch der Meinung, dass sie sich nicht so haben sollte?”

Hier hatte ich dann zwei Fragezeichen in den Augen: Marie hat erfahren, dass die Mutter eine Träne im Gesicht hatte. Der Vater hat doch auch gesehen, dass die Mutter weggerannt ist und sich das Gesicht gewaschen hat. Dann ist es keine Neuigkeit. Und "erfahren" ist dann auch der falsche Ausdruck.
Zitat:
Ihr seid, wie so viele Menschen nicht in der Lage mit einem behinderten Menschen umzugehen

Darüber habe ich mich wie gesagt sehr gewundert, denn die Behinderung war bis hierhin noch nicht thematisiert.

Zum Abschluss noch zur Sprache:
Es liest sich besser, wenn du in der wörtlichen Rede bei jedem Sprecherwechsel einen Absatz setzt - so kommt man auch mit dem Figuren nicht so schnell durcheinander ;).
Zitat:
Marie hatte vor zwei Wochen ihren Eltern, unabhängig voneinander, einen Zettel geschickt. Auch ihrer Großmutter. Die Alte war eine eigensinnige Frau. Die Dominanz, die von ihr ausging, war beklemmend. Jetzt saß die Alte im Bus in Richtung des Geländes. Ihre Neugier zog sie an, an einen Ort, der ziemlich verlassen war.
Alle Empfänger der Zettel hatten zusätzlich zu der eigentlichen Nachricht einen Lageplan erhalten. Marie hatte all dies sorgfältig geplant, hatte jeder der Personen einen eigenen Weg konstruiert. Sogar einen Zweitschlüssel hatte sie sich machen lassen.

Den ganzen Abschnitt musst du einen Schritt Richtung Gegenwart ziehen, denn du schreibst eine Geschichte im Präsens - dann ist die Vergangenheit Perfekt und das Erzählte Gegenwart.
Zitat:
Die drei sich nur allzu gut bekannten Personen bleiben <s>alle</s> abrupt stehen

"alle" kannst du streichen
Zitat:
Glaubst du etwa du könntest uns einengen?” Kleinlaut

...etwa, du...
Zitat:
Zuvor hatte sie alle Tische bis auf einen aus dem Raum schaffen lassen

"hat"
Und von wem?
Zitat:
Marie will die Lügenwelt ihrer Eltern, die schon seit Ewigkeiten einander vorgaukeln, dass sie glücklich verheiratet seien, entlarven. Stattdessen leben sie nebeneinander her, in der Hoffnung ein besseres Leben zu bekommen.

Die beiden Sätze lesen sich, als würden sie unabhängig von einander dastehen, denn der zweite bezieht sich nur auf einen Teil des ersten, weswegen sie nicht so gut zusammenpassen. Vorschlag wäre etwas wie: Sie will ihnen zeigen, dass sie nebeneinander her leben, stets in der Hoffnung, dadurch ein besseres Leben zu bekommen"
Zitat:
euch hier herbestellt um euch zu warnen, warnen

"hierher bestellt"

Liebe Grüße,
Libertine


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BeitragVerfasst: Di 30. Jan 2007, 20:46 
Broschüre
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Registriert:
So 21. Jan 2007, 15:51

Beiträge: 50
Hallo Libertine,
vielendank für die ausführliche Kritik. Viele deiner genannten Aspekte kann ich gut nachvollziehen, du scheinst Dir sehr viel Mühe mit dem Lesen gemacht zu haben. Danke! :icon_smile
Was du nicht ganz aus dem Kontext entnehmen konntest, war der Sinn des Spiels. Ich habe mir dabei folgendes Gedacht. Das Spiel, so wie man sich ein normales Spiel mit Ziel.....usw. vorstellt, ist hier nicht vorhanden. Das Spiel benutze ich hier als Symbol, welches Marie im laufe des Abends zum zynischen Gesellschaftsstück werden lässt.
Die Geschichte war mal eine Hausaufgabe in Deutsch (eigentlich: schreibe für einen Raum eine Geschichte und gib die Atmosphere wieder) deshalb bin ich auf diverse Themem zB. Die Behinderung als Ursache nicht so ausführlich eingegangen.
Aber danke nochmals für deine Mühe,
liebe Grüße
Kreativer Schreiber


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