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BeitragVerfasst: Mi 14. Sep 2005, 16:42 
Taschenbuch
Offline

Registriert:
Mo 10. Jan 2005, 18:14

Beiträge: 479

Wohnort:
Bremerhaven
Moinsen,

@krabbel:
wenn ich dich richtig verstanden habe, dann ist die Frage nach der Existenz der zeit für dich nicht von Bedeutung, weil sie keinen effektiven Nutzen bringt. Menschen sind neugierig und hätte Newton damals einfach nur "Autsch!" gesagt, als ihm der Apfel auf den Kopf fiel wären einige Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind nicht möglich (ja, ich weiß, die Apfel-Story ist erfunden).

Zitat:
Aber es ist richtig, sich zu fragen: Was fange ich mit meiner Zeit
an? Das kann man dann auch so formulieren: Welches Möglichkeiten habe ich? Und: Was mache ich
daraus? Was sind die Folgen meines Handelns? So entsteht mEn auch die Freiheit und die Unabhängigkeit.
-> Mit diesem Satz setzt du die Existenz der zeit, über die wir ja hier philosophieren, einfach vorraus. Was ist denn eigentlich "Zeit" für dich?

Liebe Grüße,
Rolfsson :icon_lol


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BeitragVerfasst: Do 15. Sep 2005, 10:52 
Journal
Offline

Registriert:
Mi 15. Jun 2005, 22:15

Beiträge: 245

Wohnort:
Dortmund
Hi Rolfsson,

danke für Deinen Kommentar, hat mir schon weiter geholfen, nämlich:

Rolfsson hat geschrieben:
wenn ich dich richtig verstanden habe, dann ist die Frage nach der Existenz der zeit für dich nicht von Bedeutung, weil sie keinen effektiven Nutzen bringt. Menschen sind neugierig und hätte Newton damals einfach nur "Autsch!" gesagt, als ihm der Apfel auf den Kopf fiel wären einige Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind nicht möglich.

Jau, Newton hat auf jeden Fall seinen Beitrag geleistet. Und die Zeit existiert für mich. Aber ich versuche nicht, mir eine Vorstellung
ihrer Existenz zu schaffen, in dem Sinne, dass ich mir ein Ding, eine Welt oder auch nur ein Abstraktum vorstelle. Das Bild mit dem
Fluss (von Mü) kann ich ohne Probleme übernehmen. Ich verwende den Begriff "Zeit" jedoch auch als Summe der Möglichkeiten und
Ereignisse, quasi als Weg durch den universalen Phasenraum (sorry, der Begriff ist wahrscheinlich nicht allgemein bekannt:

Sagen wir die Welt besteht nur aus Addition und den Zahlen 1, 2 und 3. Außerdem muss die Addition stets mit genau
2 Zahlen kombiniert werden. Mit diesen Vorraussetzungen ist der Phasenraum alle möglichen Kombinationen. Also
1+2 2+3 1+3 2+1 1+1 2+2 3+3 3+2 3+1).

Im Bild des Flusses könnte ich mir ein Delta vorstellen, wo tausende von Flussarmen ins Meer münden. Vorher hat sich der
Strom geteilt. Ich bin dann eine kleines Insekt auf der Wasseroberfläche, der zum einen in eine Richtung gespült wird, zum
anderen durch Krabbelbewegungen (wau!) etwas vorwärts kommt und sich zwischen dem einen oder anderen Flussarm
entscheiden kann.

Zitat:
Mit diesem Satz setzt du die Existenz der zeit, über die wir ja hier philosophieren, einfach vorraus. Was ist denn eigentlich "Zeit" für dich?

Für mich (in meiner Weltanschauung) existiert die Zeit, eindeutig. Das ist eine ganz tief sitzende Erkenntnis. Vielleicht fällt es mir
daher so schwer, mich an eine Definition zu wagen. Und meine Ausrede ist dann, das diese ja sowieso keine Wert hätte. (ne,
glaube nicht.)


Aber mal schauen:

Abgesehen von der Naturwissenschaft, die Zeit als Variable einsetzt und damit determinierte Ereignisse oder auch nicht
determinierte (Chaostheorie) vorhersagt, ist die Zeit für mich der Weg durch den Dschungel der körperlichen
und geistigen Realität, dessen Verlauf durch Entscheidungen entsteht.


Mit dieser Definition will ich dann mich selbst und vielleicht einen Leser dazu ermutigen, Entscheidungen zu treffen oder
zumindestens über seine Möglichkeiten nachzudenken. Ich bin zwar kein Theologe und will auch keiner sein, aber es kann
mir niemand erzählen, dass er etwas sagt oder schreibt ohne ein Ziel damit zu verfolgen, wenn vielleicht auch nur für sich
selbst. Und das ist auch nicht mein einziges Ziel *grins*.

Eigentlich sollte ich den letzten Absatz geschlechtsneutral formulieren, aber ich tu mich gerade schwer damit. Dass
Männlein wie Weiblein gleichermaßen gemeint sind, ist hoffentlich allen klar. Gibt es dazu einen Thread oder Regeln?

krabbel


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BeitragVerfasst: Do 15. Sep 2005, 16:18 
Taschenbuch
Offline

Registriert:
Mo 10. Jan 2005, 18:14

Beiträge: 479

Wohnort:
Bremerhaven
Moinsen,

@krabbel:
gut, daß du deine Ansichten noch ein wenig deutlicher formuliert hast. Nur das Beispiel mit dem Fluß habe ich nicht so ganz verstanden. Das Insekt hat also deiner Meinung nach die Möglichkeit sich den Flußarm auszusuchen, und zwar durch eine frei gewählte Entscheidung. Frage: Kennst du Fausts Essay "Konsequenzen"? Der beschäftigt sich mit ähnlichen Dingen und mit der Möglichkeit von Entscheidungen. Aber zurück zum Thema. Da sich das Insekt frei entscheiden kann, wählt es seinen Weg im Strom der Zeit selbst. Doch führen nicht alle Wege des Deltas letztendlich zu einem einzigen Ziel? Ist die Entscheidung dann noch frei?

Liebe Grüße,
Rolfsson :icon_lol


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BeitragVerfasst: Do 15. Sep 2005, 16:57 
Journal
Offline

Registriert:
Mi 15. Jun 2005, 22:15

Beiträge: 245

Wohnort:
Dortmund
Hi Rolfsson,

Rolfsson hat geschrieben:
Da sich das Insekt frei entscheiden kann, wählt es seinen Weg im Strom der Zeit selbst. Doch führen nicht alle
Wege des Deltas letztendlich zu einem einzigen Ziel? Ist die Entscheidung dann noch frei?

Hm, dann identifizieren wir doch mal das Meer mit dem Leben nach dem Tod, oder auch dem Nirwana, bzw. die Mündung
mit dem Tod. Dazu passt dann auch, dass wir im Leben immer nur einen Teil der Welt erleben werden, sprich: nur einen
der Flussarme durchschippern. Dennoch gibt es in einem Flussarm immer durch so viel Interessantes zu sehen, dass ich
nicht wehleidig werde bei dem Gedanken, dass ich nur einen erfahre.

Allerdings geraten wir langsam in Gefahr, das Bild über zu strapazieren.

Ob Entscheidungen frei sind, ist sicherlich eine eigene Diskussion wert (s.u.). In meinem Bild habe ich eingebaut, dass ein
jeder in seinen Grenzen frei entscheiden kann. Und das einige (z.B. so ne blöde Stechmücke) kaum Bewegungsfreiheit
haben. Ein Wasserläufer (das ist auch so ein Käferzeugs) kann sehr gut viele Meter auf der Wasseroberfläche zurücklegen.
Dem Strom ist aber auch er unterworfen.

Zitat:
Kennst du Fausts Essay "Konsequenzen"?

Bislang noch nicht, werde aber mal lesen. Vielen Dank für den Tipp.

krabbel


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BeitragVerfasst: Fr 07. Okt 2005, 13:01 
Journal
Offline

Registriert:
Di 28. Jun 2005, 21:37

Beiträge: 310
Alo Dave,

Zeit ist Leben, und das Leben wohnt im Herzen (Momo, von Michael Ende).

So sehe ich das zumindest.

Vielleicht hilft dir das ja weiter...

Grüsse,

Lee_VA

_________________
Wenn ich nicht sein kann, was ich will, werde ich zu meinem Willen


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Antwort

BeitragVerfasst: Mi 20. Dez 2006, 00:16 
Hallo,

ich denke das Zeit nichts wirklich reeles ist sondern eine mentale Größe. Warum? Ganz einfach, sie ist ja nichts materielles sondern man kann sie nur erleben. Es gibt ja die Theorie, das alle Ereignisse gleichzeitig stattfinden und das Gehirn sie nur ordnet, so das wir es verstehen. Ansonsten ist die Zeit eine Maßeinheit für die Dauer von Ereignissen.
Es gibt ja so ein Zeitgefühl. Eigentlich erleben wir immer nur Gegenwart. An die Vergangenheit können wir uns nur erinnern, weil die Ereignisse in unseren Gedächtnis gespeichert sind. So erkläre ich mir das alles.

Gruß

Merlin


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