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Nachdem der Tod euch schied ( 1 1/2 teil^^)
Die nächste Woche verläuft fast ohne Zwischenfälle. Alles läuft normal, Anna spielt mit Martha und näht und Martin geht arbeiten wie immer. Äußerlich ist also alles normal, doch wenn man genau hinfühlt, spürt man die leichte Traurigkeit und Hilflosigkeit im Zwischenmenschlichen.
Am Freitagmorgen erwacht Martin von dem Geklapper mehrerer Pferdehufe. Leise steht er auf und tritt vor die Tür. Auch Anna ist aufgewacht und tritt jetzt neben ihren Mann. Was sie sehen verschlägt ihnen die Sprache. In zirka hundert Meter Entfernung reitet ein Bote des Königs auf einem braunen Pferd; Doch an einem Strick in der rechten, behandschuhten Hand führt er einen groß gewachsenen, sehr muskulösen Schimmel mit langer verflochtener Mähne.
Annas Augen beginnen zu leuchten, sie will schon immer ein Pferd, doch bisher reichte ihr Geld noch nicht einmal für einen Maulesel. Doch als sie Martin ansieht, erinnert sie sich schlag- artig wieder an den Schenker und das Glimmen in ihren großen Augen weicht Abneigung. „ Anna Thomason?“ „ Das bin ich. Wie kann ich euch helfen, guter Mann?“ „ Ich bin ein Bote des Königs. Er schickte mich, euch dieses Geschenk“, er zeigt auf den Schimmel,
„zu bringen und eure Antwort einzuholen!“
Anna wird blass. Vor diesem Moment hat sie sich die ganze Woche gefürchtet und hat immer wieder die unterschiedlichen Möglichkeiten im Geiste durchgespielt. Martin hat ihr immer wieder geraten zuzusagen, doch Anna hat ihre Entscheidung allein gefällt:“ Richtet dem König aus, dass sein Angebot überaus großzügig ist, doch ich nicht bereit bin, es anzunehmen, da ich, wie ihr sehen könnt bereits vergeben bin!“ Annas Stimme klingt fest, doch innerlich ist sie so unsicher wie noch nie. Martin sieht sie groß an. „ Aber Anna, ich….ich dachte du würdest einwilligen. Wir hatten das doch besprochen…Oh Anna, ich bin so glücklich!“ Er fällt ihr um den Hals. Auch der Bote macht große Augen. Doch als Anna ihn streng ansieht, verschwindet der verwunderte Ausdruck aus seinen Augen, er steigt von seinem Pferd, bindet den Schimmel an einen Zaunpfahl, steigt wieder auf und reitet ohne ein weiteres Wort davon.
Der König tobt. Er springt wie ein Rumpelstielzchen durch den Thronsaal und schreit wie ein Verrückter.
„ Wie konnte sie nur so dämlich sein? Ha! Aber das wird sie bitter bereuen! Ich kann das einfach nicht fassen! Sagt einfach Nein! Ohne einen Grund anzugeben!!“ „ Aber euer Majestät…“ fängt der Bote kleinlaut an, „ Sie hat doch…“ „Schweig still! Du Nichtsnutz!“ brüllt der König „ Das wird auch dir teuer zu stehen kommen! Dafür werde ich dich bestrafen, du dummer Bote!! Zehn Peitschenhiebe mindestens!“ Der Bote fällt immer mehr in sich zusammen „ Geh mir aus den Augen, Du Esel! Und lass dich her nie wieder blicken!“ „ Aber euer Majestät…“ „ Raus!“ brüllt
Ludwig XlX. Schnell verschwindet der Bote unter vielen Dienern durch den Hauptsaal eine schmale Treppe hinunter in den Bedienstetentrakt. Nachdenklich setzt sch der König in seinen Thron und beginnt zu überlegen.‚ Ich muss sie von diesem Schmied wegbekommen. Wenn er nicht mehr da ist, kommt sie sicher zu mir. Aber dieses schreckliche Kind ist noch im Weg. Das muss mit verschwinden. Ich muss mir was einfallen lassen.’ Er streicht sich über seinen grauen, mit Essensresten verklebten Schnurrbart, und hat fast augenblicklich eine boshafte Idee.
Als Anna und Martin abends nach einem guten Abendessen im Bett liegen, ist die Traurigkeit der letzten Tage wie weggeblasen.
Doch ihr wieder erworbenes Glück sollte nicht lange halten.
Als Anna am Montag, nachdem sie einer alten Dame aus dem Dorf eine bestickte Tischdecke gebracht hat, nach Hause kommt, fehlt von Martin und ihrer Tochter jede Spur.
An sich ist es nicht ungewöhnlich, dass die beiden nicht da sind,
wenn Anna von einem Kunden kommt, doch normalerweise waren sie immer vor Anbruch der Dunkelheit zurück und jetzt ist die Dämmerung schon sehr weit vorangeschritten.
Doch auch als es vollständig dunkel ist, ist Martin mit ihrer Tochter noch nicht wieder da und Anna beginnt, sich ernsthafte Sorgen zu machen.
Irgendwann ist Anna zu müde, um noch länger zu warten und geht sehr besorgt und verängstig zu Bett. Lange kann sie nicht einschlafen vor Sorge, doch irgendwann wird auch die größte Sorge von Müdigkeit erstickt und Anna verfällt in einen unruhigen Schlaf.
Am nächsten Morgen sind ihre Lieben noch immer nicht da und Anna beschließt, sich im Dorf Hilfe zu holen. Sie läuft ins Nebengebäude, wo sie den Schimmel des Königs untergestellt haben, schwingt sich, ohne das schöne Pferd vorher zu satteln, oder zu putzen, auf dessen Rücken und prescht im Galopp in Richtung Dorf. Wie eine Amazone sitzt sie auf ihrem Pferd und alle Bauern, denen sie unterwegs begegnet, starren ihr bewundernd nach. Doch Anna fühlt sich ganz und gar nicht wie eine Amazone, eher wie eine Gazelle im Anblick des Löwen. Als sie endlich das Dorf erreicht hat sind sowohl sie, als auch das Pferd völlig durchgeschwitzt. Sie bindet ihren Gaul an einen Haken, an der Stadtmauer und eilt auf den Marktplatz.
Der erste Stand an dem sie vorbeieilt ist ein Gemüsestand und dessen Besitzerin eine alte Freundin von Anna.
Sie bremst abrupt, als sie Lisa erkennt. „ Lisa…Lisa, weißt… du wo…. mein…mein Mann….und…. und meine…Tochter sind?“ Sie ist völlig außer Atem und bringt kaum ein Wort heraus.
„ Ach Anna, setz dich erst mal und ruh dich kurz aus!“ „Nein,….ich...ich muss sie fin…finden!“ „ Es hat sich doch schon überall herumgesprochen!“ Lisa legt ihr einen Arm um die Schulter „ man hat deinen Mann verhaften lassen und auch Martha haben sie mitgenommen! Keiner weiß warum, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass an irgendeinem Vorwurf etwas dran ist, Anna, du hast deinen Mann bestimmt bald wieder!“
„ Aber…Aber das kann doch nicht sein! Er ist ein so anständiger Mensch, er würde niemals ein Verbrechen begehen! Nein! Er nicht! Das muss eine Verwechslung sein! Oh Lisa, sag, dass das nicht wahr ist! Sag, dass das nur ein Traum ist! Und warum haben sie Martha mitgenommen, sie ist doch erst fünf Jahre alt, sie kann gar nichts verbrochen haben! Oh Lisa!“ Ihre Stimme bricht und sie fängt an, hemmungslos zu schluchzen. Lisa nimmt sie vorsichtig in den Arm, streicht ihr über den bebenden Rücken und flüstert beruhigende Worte in ihr Ohr.
Als Anna sich langsam wieder beruhigt hat, fast Lisa sie kräftig an den Schultern, sieht ihr ernst in die kastanienbraunen Augen und sagt:
„ So, meine Liebe, wir laufen jetzt zu diesem dummen König, fragen ihn was das Ganze soll und holen deinen Mann und Martha da wieder raus!“
„ Wir müssen nicht laufen. Lisa, ich glaube, da ist etwas, was du wissen solltest.“ „ Sprich dich aus, Liebes.“ „ Weißt du, Lisa, der König, also, er hat mir einen Antrag gemacht und mir auch gleich noch ein wunderschönes Pferd geschenkt, aber…ich, also ich habe abgelehnt, weil ich doch niemals Martin und die Kleine verlassen könnte, weißt du, deshalb.“
Lisa ist eine stattliche, vollbusige Frau, mit einem riesigen Herzen und einem genauso großen Temperament. Dementsprechend ist ihre Reaktion auf Annas Geständnis.
„ Also wirklich! Anna! Das war wirklich sehr mutig von dir! Ich glaube, ich hätte dem Pferd nicht widerstehen können“ Sie lächelt verschmitzt. Anna weiß, dass sie das nicht ernst gemeint hat.
„Jetzt weiß ich auch warum die beiden verhaftet wurden! So ein verteufelter Schuft! Zifix nochamal! Wie gemein!“
Aber die arme, verstörte Anna versteht nicht, sondern schaut Lisa nur groß an.
„ Seit wann fluchst du denn so schrecklich? Wer ist ein Schuft? Lisa, sag doch!“
„Anna-Kind. Hör zu: der König, dieser Esel, hat doch bestimmt einfach nur etwas erfunden, um dich von deiner Familie loszueisen und dich für sich zu haben. Verstehst du das denn nicht?!“
„Meinst du wirklich, dass er so etwas Gemeines und Hinterhältiges tun würde?“
„ Ja! Würde er! Du weißt, was er für ein schlechter Mensch ist!“
„ Und was machen wir jetzt?“ Anna sieht immer noch ganz verzweifelt aus.
„ Ha! Wir Reiten jetzt zum Schloss, lesen diesem blöden König ordentlich die Leviten und dann, dann holen wir die beiden wieder nach Hause!“ Sie reibt sich die Hände „ Das wird ein Spaß!“
„ Gut, dass ich dich habe! Ohne dich würde ich das niemals tun!“
Inzwischen haben sich noch andere Marktfrauen, angelockt von Lisas aufbrausender Art, zu ihnen gesellt und klatschen jetzt kräftig Beifall.
„ Wir kommen mit und helfen euch!“ ruft eine der Frauen „ ich bin Rosanna.“ Auch sie ist mit kräftigen, weiblichen Formen und einer gutmütigen Art bestückt und hat, genauso wie die anderen Frauen, die dabeistehen, ein feuriges Temperament.
„ Das ist sehr lieb von euch, aber ich habe nur ein Pferd, das zwar stark ist, aber ich glaube nicht, dass es so viele Menschen tragen kann“ , murmelt Anna, gerührt von der Hilfsbereitschaft der Frauen, will sie sie nicht durch eine Abweisung kränken, doch Rosanna hat sie gehört.
„ Das ist egal, Schätzchen, ich bin sehr gut zu Fuß!“
„ Gut, dann ist ja alles klar! Also gehen wir!“ Lisa ist jetzt ganz und gar in Rage geraten und der Wind ist ihr nicht mehr aus den Segeln zu nehmen.
Also machen sich die drei Frauen auf den Weg zum Schloss. Doch da immer eine laufen muss, kommen sie nur langsam voran und treffen erst bei Sonnenuntergang im Burghof ein.
Der Hof hat sich verändert. Überall sind Girlanden aus Blumen aufgehängt und dort, wo normalerweise der Galgen steht, ist eine große Bühne aufgebaut.
„ Oh Weh, Anna, weißt du was ich glaube? Ich glaube, der König ist sich ziemlich sicher, dass du jetzt sein Angebot annehmen wirst, oder hab ich irgendeinen Feiertag, oder sonst irgendein Fest verpasst?“ „ Hoffentlich hast du Unrecht, Rosanna, ich werde nämlich nur über meine Leiche einwilligen, diesen Ekel zu heiraten!“
„ Sag das besser nicht zu laut, sonst kommt der König noch auf dumme Gedanken!“
Anna lächelt. Es ist das erste Mal an diesem tristen Tag und Lisa ist mächtig stolz auf sich.
Martin zittert. Von der Decke in dem dunklen schmalen Gang tropft das Wasser. Die Kerze, die der Wächter, der Martin und seine Tochter hier herunter gestoßen hat, an den Eingang des Korridors geklebt hat, verbreitet in der Feuchtigkeit und der schlechten Luft nur ein schwaches Flackern. In dem finsteren Verließ liegen zwei verschimmelte Strohsäcke. Martin hat sich mit seiner Tochter jedoch nicht darauf gesetzt, sondern sich mit dem Rücken an den rohen Felsen gelehnt. Er zieht die ebenfalls schlotternde Martha an sich. Doch sie schlottert nicht nur vor Kälte, sie wird auch von Weinkrämpfen geschüttelt. Martin streicht ihr über den Rücken und haucht ihr tröstende Worte ins Ohr. „ Papa…ich will...ich …ins Bett...hier ist es…es so kalt…kalt und na….nass!“
„Beruhige dich, Liebling! Es wird alles wieder gut! Schhhhh! Ist ja gut.“ Und er streicht ihr immer wieder über den kleinen Rücken.
Zwischen Lisa und Rosanna lief Anna langsam auf die Halle vor dem Thronsaal zu. Kein Wächter hielt sie auf, sie begegnetem keinen Bediensteten. Der König hatte alles genauso geplant und allen Angestellten befohlen, Anna ungehindert passieren zu lassen. Doch davon wussten die drei Frauen nichts. Als sie schließlich im Thronsaal ankommen ist von ihrem anfänglichen Mut nicht mehr viel übrig. Doch der Thronsaal ist leer. Der König ist nicht da. Mit einem Mal hören sie Schritte aus einem vom Thronsaal wegführenden Gang.
„ Der König schickte mich, als er euch hörte. Er speist gerade.
Ich soll, euch Anna, zu ihm geleite, er wünscht mit euch sein Mahl einzunehmen.“ Ein Diener in einem ihm zu kleinen, etwas zu steifen Frack ist aus diesem Gang getreten. Anna nickt nur. Doch Rosanna hebt die Stimme. „ Dann kommen wir mit! Wir lassen sie nicht alleine mit dem werten Herrn König!“ Ihre Stimme trieft vor Verachtung, doch der Diener scheint das nicht zu bemerken. „ Einen Moment, Gnädige Frauen, ich werde die Majestät um seine Einverständnis bitten.“ „ Tun sie das!“ Lisa schnaubt und leiser sagt sie zu ihren Freundinnen: „ So ein eingebildeter Esel, der Frack ist ihm zu klein, und er kann sich nicht richtig bewegen, trotzdem macht er auf ganz toll!“ Der Diener eilt den Korridor entlang, doch seine Bewegungen wirken linkisch und auf einmal stolpert er über seine Füße und fällt der Länge nach hin. Rosanna kann sich ein Lachen nicht verkneifen und auch die anderen müssen sich sehr beherrschen, was ihnen einen giftigen Blick des Dieners einbringt. „ Wenn Blicke töten könnten….“ Lisa grinst und schaut sich zum ersten Mal genau in dem großen Saal um. Die Decke ist voller vergoldetem Stuck und neben dem mit Edelsteinen und Goldbrocken besetzten großen Thron des Königs steht seit kurzer Zeit ein kleinerer ebenso verzierter Thronsessel für eine Königin. Hinter den beiden Thronsesseln hängt ein großer Samtvorhang vor einem Kristallfenster und um den Blick auf die Hügel dahinter nicht zu verwähren wird der Vorhang von zwei goldenen Kordeln zur Seite gehalten. Anna kann sich partout nicht vorstellen jemals in diesem Thron, mit dem Rücken zu einem Fenster, zu sitzen und gemeinsam mit diesem ekelhaften König Regierungsentscheidungen zu treffen und über Recht und Unrecht zu entscheiden. Sie holt gerade Luft um das zu ihren Freundinnen zu sagen, als der Diener wieder herbeigehumpelt kommt. Er hat sich anscheinend bei dem Sturz ein wenig verletzt, doch weder Anna noch eine der beiden anderen empfinden Mitleid für ihn. „ Der König besteht darauf nur mit Frau Thomason zu speisen. Ihre beiden Begleiterinnen sollen in der Empfangshalle warten. Sie können es sich am Konferenztisch bequem machen und werden natürlich mit Speisen und Wein versorgt, wenn sie wollen.“ Rosanna will schon wieder aufbrausen, doch Lisa hält sie zurück: „ Lass sie! Sie wird das schon meistern!“ Und zu Anna sagt sie: „ Lass dich nicht reinlegen! Du schaffst das schon, du bist nämlich um Welten klüger als der König!“ Anna nickt erst ihr und dann dem Diener zu und folgt ihm dann durch den Gang in den Speisesaal.
Martin hört schwere Schritte die Treppe hinunter stapfen und bald erkennt er schemenhaft einen Mann. Martha versteckt sich verängstigt hinter ihrem Vater. Der Mann tritt vor die Gitterstäbe und stopft zwei kanten steinhartes Brot hindurch und zwei Holzbecher mit fauligem Wasser hindurch. Dann dreht er sich um und verschwindet wieder in die Finsternis.
Als Anna hinter dem Diener den Speisesaal betritt, verschlägt es ihr bei dem Anblick des Tisches die Sprache. Der Tisch ist lang gestreckt und von vorne bis hinten voll gestopft mit allen nur erdenklichen Köstlichkeiten.
In der Mitte des Tisches liegt ein braun gebratenes Spanferkel mit einem leuchtend roten Apfel im Maul auf einer silbernen Platte und verbreitet einen köstlichen Duft. Drum herum liegen, ebenfalls auf silbernen Platten Berge von exotischen Früchten, sogar eine Ananas und eine Melone sind dabei. Ein großer Korb mit Brot thront neben einem überdimensionalen Topf aus dem der Geruch einer köstlichen Suppe steigt. Eine Platte mit einem langen, mit Knoblauch und Kräutern gefüllten Fisch liegt neben mehreren Krügen, ebenfalls aus Silber, mit Wein, Wasser und sogar einem Saft aus gepressten Orangen. Zwischen all diesen Speisen stehen immer wieder riesige goldene Kandelaber mit gelben Kerzen, die einen wundervollen Duft von frischem Honig verbreiten. Dieser vermischt sich mit dem Geruch von Wachteln, die auf einer, diesmal goldenen Platte zusammen mit ihren Eiern liegen. In direkter nähe dazu erblicken Annas staunende Augen Rehrücken, Fasanschenkel und eine unglaubliche, mit Rosen aus Marzipan und Sahnehäubchen verzierte, mehrstöckige Torte. Gerade bringen mehrere Diener eine Platte mit kleinen schwarzen und roten Kügelchen, die umrahmt von Muscheln sind, herein. „Das ist Kaviar, meine liebe Anna.“ Anna sieht sich suchend um und erblickt den König am Ende des Tisches, halb verdeckt von einem ganzen Hasen. „ Fischeier.“ Er erhebt sich und schreitet auf Anna zu. „ setz dich meine Liebe.“ Er führt sie zu einem Stuhl gegenüber von ihm, sodass Anna ihn fast nicht sehen kann, auf der anderen Seite des Tisches, als er sich wieder gesetzt hat. Als Anna auf den Tisch vor sich Blickt, überkommt sie Panik. Sie kann in keiner Weise mit den vielen verschiedenen Messern und Gabeln und Löffeln umgehen, die um ihren Teller aus Porzellan angeordnet sind. Fragend sieht sie einen der Butler an, die ihr am Nächsten sind. Sofort eilt einer herbei und erklärt ihr in Windeseile die Reihenfolge des Bestecks, fast so schnell, dass Anna nicht mitkommt.
Mit einer Handbewegung, als würde er eine lästige Fliege verscheuchen, macht er den Dienern klar, sich zurückzuziehen.
Anna sitzt stocksteif da und wagt nicht, etwas anzurühren, obwohl sie sich danach verzehrt, endlich etwas zu essen, da sie den ganzen Tag noch nichts zu sich genommen hat. „ Greif zu!“ tönt es von der anderen Seite des Tisches. Vorsichtig nimmt sie sich eine der Wachteln und beißt zaghaft ab. „ Ich habe euch ein Angebot zu machen.“ Die Stimme des Königs klingt abschätzend und er beobachtet jede ihrer Bewegungen. Sie legt den angebissenen Vogel auf ihren Teller und sieht den König fragend an. „ Wie du weißt, habe ich deinen Mann und deine Tochter einsperren lassen.“ „ Warum?“ Das ist das einzige was Anna interessiert. Doch er übergeht ihre Frage einfach. „ Wenn du bereit bist, mich zu heiraten, verspreche ich, die beiden augenblicklich freizulassen!“ Anna will gerade von ihrer Wachtel abbeißen, doch als sie die Worte des Königs vernimmt, lässt sie die Hand sinken und Starrt über den Tisch. Auf einmal überkommt sie Übelkeit und sie schiebt ihren Teller mit der angebissenen Wachtel von sich. Ihren Hunger hat sie vergessen. Der König hat sie genau beobachtet und jetzt huscht für einen kurzen Moment Belustigung über seine missratenen Züge. Anna starrt ihn entgeistert an und wünscht sich, ihre beiden Freundinnen herbei. Die hätten eine schlagfertige Antwort parat gehabt und hätten die Erpressung des Königs bestimmt verhindert. „ Solltest du nicht zustimmen, “ die Stimme des Königs wird drohend, „ werde ich die beiden töten lassen!“
Lisa und Rosanna springen augenblicklich auf und laufen auf Anna zu, als sie sie den Gang zurückwanken sehen. Lisa schließt Anna in die Arme und es braucht keinerlei Erklärung, um Rosanna und Lisa wissen zu lassen, was der König gesagt hat.
Nach einiger Zeit lässt Lisa Anna wieder los und gemeinsam laufen sie hinaus auf den Burghof, lassen sich das Pferd geben und reiten und laufen in Richtung Dorf. Keiner spricht eine Wort, doch irgendwann sagt Anna leise: „ Ich werde ihn heiraten. Er bringt Martin und meine Tochter sonst um.“ Lisa nickt und Rosanna schüttelt den Kopf. Beide setzen gleichzeitig an, zu sprechen, doch dann lässt Lisa Rosanna den Vortritt: „ Ich kann das einfach nicht fasse, obwohl wir es beide geahnt haben. Es ist einfach zu ungerecht!“ Auch Lisa stimmt ihr zu. Sie hätte es nur etwas mitfühlender formuliert. Der Rest des Weges verläuft schweigend und erst als sie gegen Mitternacht bei Annas Heim ankommen sagt Rosanna wieder etwas: „ Willst du das ich den Rest der Nacht bei dir bleibe? Ich habe ja keine Familie um die ich mich kümmern muss, nur meine Mutter und die wird schon alleine klar kommen.“ Dankend nimmt Anna das Angebot an und sie verabschieden sich herzlich und unter vielen Umarmungen von Lisa.
es geht natürlcih ncoh weiter, nohcmal so lang, aber es waren zu viele zeichen
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